Gewissensfrage

Ein Badestrand in Schweden
An offiziellen Badebuchten sind Hunde üblicherweise nicht gestattet (Foto: Synöve Borlaug Dufva / imagebank.sweden.se).

Oder: Wie verhalte ich mich als Ausländerin in meinem Gastland richtig?

Soll ich die hiesigen Regeln verteidigen, wenn ich merke, dass Touristen sie umgehen? Oder mache ich es besser den Einheimischen gleich und übersehe es großmütig? Irgendwie fühlt sich beides falsch an.

Fragt man die Schweden, ob Hunde am Badesee erlaubt sind, bekommt man Antworten wie diese:
„Im Prinzip nicht. Es wäre besser, Sie ließen Ihre Hunde ein Stück weiter südlich ins Wasser, wo niemand schwimmt.“ Der sensible Zuhörer und Schwedenkenner weiß dann, dass er ein klares „Nein“ zu hören bekommen hat. Aber deutlicher wird es normalweise nicht.

Das kann es einem manchmal schwer machen. Insbesondere, weil sich die Schweden schwer damit tun, andere auf Fehler hinzuweisen. So auch gestern am Badesee: zwei Frauen hatten ihre Hunde dabei. Klein und süß und an der Leine, aber trotzdem – eigentlich – nicht gern gesehen. Den Schweden sind die unliebsamen Besucher nicht entgangen. Obwohl keiner die Nase gerümpft oder die Beiden angestarrt hat, änderte sich die Stimmung. Dezent, am Rande der Wahrnehmungsgrenze, aber eindeutig. Wie eine elektrostatische Ladung, die sich zusammenzieht.

Was nun? Ich war damit auch nicht happy. Mit einem Kleinkind sind Hunde so eine Sache. Nicht jeder reagiert souverän, wenn er am Schwanz gezogen oder den Finger ins Auge gesteckt bekommt. Weiß ich am besten, zu der Sorte gehört unser Finn. Vor allem aber hatte ich Sorge, dass ihr Beispiel Schule machen könnte. Und dass am nächsten Tag die nächsten Touristen ihre Hunde dort baden lassen. Und die sind vielleicht nicht mehr klein, süß und an der Leine.

Also habe ich mir ein Herz gefasst. Hätten die beiden ihr Handtuch am anderen Ende der Badebucht aufgeschlagen, hätte ich es nicht getan. Aber sie hatten sich einen Platz direkt neben mir auf der schattigen Bank gesucht. Da konnte unsere Unterhaltung diskret ablaufen.

Die beiden haben sehr verständnisvoll reagiert. Sie wussten es nicht besser. Natürlich auch ein bisschen enttäuscht – welcher Hundebesitzer tut seinen Lieblingen bei der Hitze nicht den Gefallen einer kühlen Abkühlung und der Einstieg in den See ist für Hunde perfekt. Sie saßen noch einen Moment und haben beratschlagt. Dann haben sie ihre Sachen gepackt und sind gegangen. Im gleichen Moment konnte man spüren, wie sich die Anspannung unter den Badegästen löste und das fröhliche Treiben zurückkehrte.

Gut gefühlt habe ich mich anschließend nicht. Ich fand es furchtbar. Meine Laune nach dem Badenachmittag war völlig vergangen.

Habe ich richtig gehandelt?

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