Sommarstängt

Zaun mit Schild "Betriebsferien"
Sommarstängt - Im Sommer hat Schweden urlaubsbedingt geschlossen (Foto: Fotolia.de / DOC RABE Media).

Oder: Wegen Sommerurlaub geschlossen

Wenn die kleinen Örtchen wie ausgestorben sind, die meisten Geschäfte geschlossen haben und der ICA-Parkplatz plötzlich von Campervans überrollt wird, ist das ein untrügliches Zeichen: Schweden hat Ferien. 

Der Sommerurlaub ist den Schweden heilig. Dann arbeiten alle so wenig wie möglich und verbringen ihre Zeit am liebsten irgendwo draußen im Kreise der Familie. Deshalb machen nicht nur Schulen, Kindergärten und der kleine Handwerksbetrieb dicht, sondern auch Ämter, Firmen und Polizeistationen. In schöner Regelmäßigkeit berichten die schwedischen Zeitungen sogar von Entbindungsstationen in Krankenhäusern, die erst nach einigen Wochen wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Schweden im Dornröschenschlaf

Der Sommerurlaub ist den Schweden sogar so ernst, dass sie ihn mit einer eigenen Rechtsgrundlage untermauert haben. Das sogenannte semesterlagen verleiht Arbeitnehmern im Zeitraum von Juni bis August Anspruch auf vier Wochen zusammenhängenden Urlaub. Weil das natürlich auch hierzulande zu Ausfallzeiten und Vertretungen führt, machen viele Unternehmen einfach komplett zu. Sommarstängt heißt das hier, was so viel wie „des Sommers wegen geschlossen“ bedeutet. Ich glaube, man muss einen langen, schwedischen Winter miterlebt haben, um die hohe Bedeutung dieser Jahreszeit und die unbändige Freude der Menschen darüber wirklich verstehen zu können.

Zwei Ländern mit unterschiedlichen Urlaubsphilosophien

Unser Kindergarten macht auch für zwei Wochen zu. Schon im Frühjahr wurden alle Eltern zu ihren Plänen befragt, damit genügend Zeit zur Vorbereitung blieb. Und wirklich, von dem Urlaubsrecht machen die Schweden Gebrauch: die einen vier Wochen, die anderen sechs – viele heben sich ihren kompletten Jahresurlaub für den Sommer auf. Auch ich wurde immer wieder gefragt, wann wir denn nun verreisen. Dass wir das eigentlich gar nicht vorhatten – wir gehören zu der Sorte Eltern, die froh sind, dass ihr Kind noch nicht in die Schule geht und sie sich noch nicht den Schulferien beugen müssen – ist völlig irrwitzig. Auch, dass man seinen Jahresurlaub in Deutschland eher aufteilt, entlockt ein erstauntes Jaså. Wenigstens hätte es für Leute wie uns Betreuungsalternativen gegeben. Im Kindergarten des Nachbarortes wäre unser Kleiner willlkommen gewesen. Doch einen Anderthalbjährigen ohne Eingewöhnungszeit für zwei Wochen zu fremden Betreuern und anderen Kindern zu bringen, fanden wir dann doch keine schöne Vorstellung.

Und so machen wir es den Schweden gleich und auch Urlaub.

Abschied vom Kindergarten

Die letzten Wochen hat sich bei mir richtig Wehmut breit gemacht. Der Kindergarten ist regelrecht verwaist. Täglich kamen weniger Kinder und jeder Abschied war ein bisschen für immer. Einige werden wir nach den Ferien nicht mehr so oft sehen. Der Kindergarten strukturiert um und sortiert die Gruppen neu. Notwendige Maßnahmen auf viele Kinder und zu wenig Platz. Für die Ein- und Zweijährigen werden eigene Gruppen geschaffen. Natürlich wird es Söhnchen trotzdem gefallen, aber ich finde es sehr schade. Erste Freundschaften und zarte Bande werden zerissen. Er wird dann nicht mehr mit der süßen Blonden zusammen sein, die sich wie eine große Schwester um ihn gekümmert hat. Auch die  Betreuerinnen werden mir richtig fehlen. Jede war ein ganz eigener Typ und hatte eine völlig andere Art, mit den Kindern umzugehen.

Wenigstens, und das war vermutlich mit richtig viel Tüftelei verbunden, ist jeder neuen Gruppe eine Betreuerin zugeordnet, die die Kinder schon kennen. Wir müssen uns daher nicht von allen Vieren verabschieden, sondern nur von Dreien. Das wird den Wiedereinstieg doch sehr erleichtern.


 

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