KUB-Test

Heute ist der große Tag: Endlich machen wir unseren KUB-Test. Die Untersuchung mit dem lang ersehnten Ultraschall findet im Centrallasarett von Växjö statt.

Ich hatte es ja schon erwähnt: Der KUB-Test ist das, was man in Deutschland als Erst-Trimester-Screening kennt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Nackenfaltenmessung und Blutuntersuchung, aus denen zusammen mit weiteren Parametern unser individuelles Risiko für eine Chromosomenanomalie berechnet wird. Das Blut hatte mir die Hebamme schon vor zwei Wochen beim Inskrivningssamtal abgenommen. Nun fehlen nur noch die Ergebnisse vom Ultraschall.

Er muss zwischen der 11. und 14. SSW stattfinden. In diesem Zeitfenster staut sich bei allen Babys im Nacken Flüssigkeit an, weil die unreifen Nieren und das Lymphsystem sie noch nicht ausscheiden können. Dieses Polster ist also normal, bei Kindern mit einer Chromosomenanomalie aber – oder anderen Erkrankungen wie einem Herzfehler oder Autismus – mit einer gewissen statistischen Häufigkeit dicker als bei gesunden. Umgekehrt bedeutet eine verdickte Nackenfalte nicht unbedingt auch eine Behinderung. Viele Kinder mit auffälligen Messwerten werden trotzdem völlig gesund geboren.

So oder so – heute würden wir eine Zahl mit nach Hause nehmen, von der vieles abhängt.

Aber immer der Reihe nach.

Gegen 9:40 erreichen wir das Krankenhaus in Växjö. Wir haben strahlenden Sonnenschein und die Autofahrt verlief problemlos. Der erste Eindruck beruhigt mich: Uns erwartet kein rotes Holzhäuschen oder schmuckloses Wellblechgebäude, sondern ein moderner Krankenhaus-Komplex. Wirklich begeistert bin ich von dem riesigen Eingangsbereich mit Geschäften, Friseur und Restaurant. Viel schöner als das obligatorische Kiosk mit den vier Schokoriegeln und zehn Zeitungen, das man aus deutschen Krankenhäusern kennt. Hier kann man es aushalten, wenn man mal längere Zeit bleiben muss. Und hier kann ich mir gut vorstellen, mein Kind auf die Welt zu bringen.

Ausgestattet mit unserem Laufzettel fragen wir uns zur Kvinnoklinik durch. Wir haben zwar noch genügend Zeit, wollten uns aber nicht länger aufhalten als nötig. Denn Pünktlichkeit ist das A und O hier in Schweden: Kommen wir nämlich mehr als zehn Minuten zu spät, fällt der Termin leider ins Wasser. Aber das enge Zeitfenster hat auch Vorteile: geringe Wartezeiten zum Beispiel. Und so werden wir nach nicht mal zehn Minuten von unserer Hebamme aufgerufen.

Amneh bietet uns gleich Englisch an und nach einer kurzen Begrüßung geht es auch schon los. Ich lege mich hin, mache den Bauch frei und spüre die Sonde auf meinem Bauch – und schon erscheint auf dem Monitor das kleine Wesen. Für uns ein Highlight, für die Hebamme reine Routine. Es geht alles ruck-zuck: „Hier ist das Herz, schaut, wie es schlägt, hier das Köpfchen, und hier die Hände und Füßchen.“ Man merkt richtig, wie sie gedanklich ihre Checkliste abarbeitet. Bevor ich das wummernde Herzchen gefunden habe, taucht schon wieder ein anderes Detail auf dem Monitor auf. Wenigstens schaltet sie uns kurz die Lautsprecher an, damit wir die Herztöne auch hören können: da-damm, da-damm, da-damm dröhnt es uns entgegen. In der Zeit misst sie die Scheitel-Steiß-Länge aus. 7,5 cm ist das Kleine heute groß. Ich frage drei Mal nach, ob das im Normbereich liegt. Tut es. Damit bestätigt sich der rechnerische Geburtstermin vom 30. November.

Dann ist es Zeit für die Nackenfalte. Allerdings braucht die Hebamme dafür eine schöne Längsschnittlage – kriegt sie aber nicht. Also piekst sie mich mit der Sonde, ich huste und letztlich hüpfe ich durch den Raum, bis mein Baby endlich richtig liegt. Die Stunde der Wahrheit. Auf dem Monitor sieht die Nackenfalte riesig aus – ist das normal?

Ja, ist es. Sie hat süße 2,2 mm. Ab 3,5 mm wäre es ein auffälliger Befund, der einer zweiten Messung bedürfte. Zusammen mit dem Ergebnis der Blutuntersuchung, meinem Alter, meinem Gewicht, meinem Herkunftsland und der Tatsache, dass ich Nichtraucher bin, kommen wir auf drei Zahlen:

  • 1: 2.756 für Trisomie 21
  • 1: 20.000 für Trisomie 18 und
  • 1: 20.000 für Trisomie 13.

Alles in allem ein niedriges Risiko. Herzlichen Glückwunsch! Wir sehen uns in SSW 18 bis 20 zum Routineultraschall.

Ich schaffe es noch aus dem Behandlungszimmer und zwei Gänge weiter, dann breche ich erstmal in Tränen aus. Die Erleichterung lässt sich kaum in Worte fassen.

„Und was wird es?“, werden wir später gefragt. Keine Ahnung! Völlig vergessen, zu fragen. Hauptsache gesund.

 

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