Rösträtt

Schwedische Wahlzettel
Die Wahlzettel liegen in den schwedischen Wahlbüros offen aus. Wer möchte, dass seine Entscheidung geheim bleibt, muss sich aus jedem Fach bedienen.

Unser Kreuzchen für Schweden

Als Deutsche, die dauerhaft in Schweden leben, haben wir rösträtt – also Wahl- bzw. Stimmrecht, um die Politik in kommun und landsting mitzugestalten.

Schweden ist zwar eine Monarchie, doch heute parlamentarisch-demokratisch aufgestellt. Die Königsfamilie hat darin nur noch eine repräsentative Funktion, jedoch keine Regierungsgewalt mehr. Die wichtigste politische Instanz des Landes ist der sogenannte riksdag. Seine 349 Abgeordnete werden alle vier Jahre von den Schweden gewählt. Hier haben wir kein Mitspracherecht, denn dafür ist die Staatsangehörigkeit nötig.

Dafür dürfen wir unsere Wünsche bei der Wahl des Provinziallandtags (Landstingfullmäktige i Kronobergs län) und des Gemeinderates (Kommunfullmäktige i Tingsryd) einbringen. Der grundsätzliche Ablauf ist dem in Deutschland gar nicht so unähnlich. Vor ein paar Wochen war unsere röstkort im Briefkasten. Auf dieser sind die wichtigsten Infos zum Prozedere vermerkt:

  • wen wir wählen dürfen,
  • an welcher Farbe wir unsere Stimmzettel erkennen,
  • wo sich unser Wahlbüro befindet,
  • wann das Wahlbüro geöffnet hat,
  • zu welchem Wahlbezirk wir gehören,
  • was wir tun können, wenn wir am Wahltag verhindert sind und
  • warum wir uns ausweisen müssen.

Auch uns führt der Weg heute in ein öffentliches Gebäude. Am Eingang des Wahllokals liegen die bunten valsedlar (Wahl- bzw. Stimmzettel). Für jede Partei gibt es einen Zettel in gelb, blau und weiß, abhängig davon, in welches Organ wir die Partei unser Wahl einziehen lassen wollen:

  1. gelbe Stimmzettel: Riksdagen
  2. blaue Stimmzettel: Landstingfullmäktige
  3. weiße Stimmzettel: Kommunfullmäktige

An den valsedlar bedient sich jeder Wahlberechtigte übrigens selbst. Sprich, wer beispielsweise die Centerpartiet im rigsdag sehen möchte, nimmt sich deren Zettel in gelb. Wer ein Problem damit hat, auf diese Weise alle Anwesenden über seine Wahlberechtigungen und Entscheidungen zu informieren, muss sich aus allen Fächern bedienen und so Verwirrung stiften.

Ein Wahlhelfer händigt uns Wahlumschläge aus. Da diese von außen alle gleich aussehen, frage ich mich, wie sie wohl in der richtigen Urne landen. Das Rätsel löst sich, als mir eine freie Wahlkabine zugewiesen wird und ich meinen blauen und weißen Stimmzettel eintüte: der Umschlag hat ein kleines Sichtfenster, durch das die Farbe des Wahlzettels zu sehen ist – praktisch. Zusätzlich können wir noch den Namen eines Parteikandidaten ankreuzen und ihn auf diese Weise direkt wählen.

Anschließend weisen wir uns bei den Wahlhelfern aus und übergeben unsere Wahlumschläge – fertig. In Deutschland würden wir uns jetzt vermutlich vor den Fernseher schwingen und die Hochrechnungen verfolgen. In Schweden spart man sich das Theater und gibt erst das Ergebnis bekannt, wenn wirklich alle Stimmen ausgezählt sind. Das ist übrigens für Sonntag, 16. September angekündigt.

Weitere Infos
Natürlich hat auch Schweden einen Wahl-O-Mat. Hier heißt er valkompassen und ist unter https://valkompassen.svt.se zu finden.

 

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