Tandläkare

Zahnarzt in Schweden
Endlich habe ich einen Zahnarzt-Termin bekommen (Foto: alimyakubov / Fotolia.com).

Zum Check-up beim schwedischen Zahnarzt

Endlich kann ich wieder einen Punkt von meiner to-do-Liste streichen. Der Folktandvården in Tingsryd nimmt wieder Patienten an. Ich habe mir gleich einen Termin gesichert und bin neugierig, ob sich die Behandlung von der in Deutschland unterscheidet. Und ob alles in Ordnung ist.

Den letzten Vorsorgetermin hatte ich 2015 noch in Deutschland wahrgenommen. Ich wollte nach unserem Umzug erstmal Ruhe haben, denn ich dachte mir schon, dass in Schweden erstmal andere Sachen wichtiger sein würden. Außerdem zählte der Besuch so noch als Maßnahme in meinem Krankenkassen-Bonusprogramm und konnte mir damit die nächste Prämienstufe sichern.

Neupatienten-Stopp wegen Flüchtlingswelle

Hier in Schweden hätte ich meine Zähne gerne schon 2016 während meiner Schwangerschaft checken lassen. Da hatte ich aber Pech – die Praxis nahm keine Patienten mehr an und verwies mich an die Kollegen in Växjö. Eine Stunde dorthin zu gurken, war mir mit dickem Bauch aber irgendwann zu viel. Außerdem befürchtete ich, dort festzuhängen und dann nicht mehr so leicht wechseln zu können. Also habe ich den Termin aufgeschoben und auf bessere Zeiten gehofft.

Jetzt ist die Situation anders und der Folktandvård in Tingsryd hat wieder Platz im Terminkalender. Über meinen Zugang auf der 1177.se kann ich die Tage durchgehen und einen freien Terminslot bei meinem Wunsch-Zahnarzt wählen. Wer mich untersucht, ist mir egal, aber zeitmäßig habe ich Vorlieben: 11 Uhr vormittags passt gut. Da ist Sohnemann üblicherweise wach UND bestens gelaunt und kann mich einfach begleiten. Ich kreuze noch „Neupatient möchte einen Routinecheck“ an und klicke auf den Bestätigungsbutton.

Automatisches Anmelde-Terminal und ausführliche Anamnese

Heute ist es soweit. Nach der Zahnarzt-Pause freue ich mich richtig auf den Termin. Ich hoffe, dass die Zähne nach wie vor in Ordnung sind und bin neugierig, ob es Unterschiede zum deutschen Prozedere gibt. Anders ist schon mal, dass die Anmeldung nicht besetzt ist. Dafür gibt es ein automatisches Terminal (terminal för självanmälan). Dort tippe ich die Personennummer ein, bestätige den roten Schriftzug, der mich darauf hinweist, dass ich zwei Minuten zu spät bin und schon bin ich im System erfasst. Jetzt kann ich Platz nehmen und warten, bis ich aufgerufen werde.

Fünf Minuten später ist es soweit. Mein Zahnarzt, der sich als Südamerikaner entpuppt und deshalb meinen Vornamen so interessant findet, führt mich in den Behandlungsraum. Ich nehme auf dem Stuhl Platz, während Sohnemännchen mir gegenüber auf dem Boden im Maxi-Cosi schaukelt. Wir unterhalten uns in einem Mix aus Englisch und Schwedisch. Positiv überrascht bin ich von der ausführlichen Anamnese. In Deutschland wurde ich nur zu meinen Pflegegewohnheiten befragt; für Medikamente und mein Essverhalten hat sich noch keiner interessiert. Außerdem werden meine Backenzähne standardmäßig geröntgt. Auch das ist mir in Deutschland erst in einer Praxis passiert. Und ich habe durch meine vielen Umzüge schon so einige kennengelernt.

Zahnreinigung lohnt nicht

Die Röntgenbilder bringen an einer Stelle leichten Initialkaries ans Licht. Der ist zum Glück reversibel; ich soll mir eine 0,2-prozentige Fluorlösung besorgen und regelmäßig gurgeln. Von einer Zahnreinigung rät er ab: lohnt nicht. Das ist ungewöhnlich. In Deutschland war sie auch nie notwendig, doch einer zahlenden Kundin wurde sie nicht abgeschlagen. Stattdessen bekomme ich einen Tipp: „Nicht so viele Süßigkeiten essen.“ Das überrascht mich. Mein Stück Schokolade nachmittags zum Kaffee habe ich nun wirklich nicht als bedenklich empfunden. Aber die schwedischen Schnuckelempfehlungen sind strenger: Süßigkeiten sind nur einmal in der Woche erlaubt. Das erklärt wiederum die größeren Kontrollabstände: Ich brauche erst in 18 Monaten wiederzukommen.

Beim Rauskommen ist die Anmeldung wieder besetzt, anders kann ich schließlich meine Rechnung nicht bezahlen. 900 Kronen kostet mich alles zusammen, 150 Kronen davon übernimmt die Försäkringskassan. Die hohe Eigenbeteiligung relativiert sich wieder: in dem steuerfinanzierten Gesundheitssystem sind die Abschläge niedriger als die Beiträge in Deutschland. Und so wird daraus wieder eine runde Sache.

Ich bin zufrieden!


 

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