Geburtsvorbereitungskurs (1/2)

Andere Schwerpunkte: Entspannungsübungen und Atemtechniken lernen wir im Geburtsvorbereitungskurs in Schweden nicht kennen (Foto: Pixabay / AndiP).

Weniger Angst, weniger Schmerz

Wie lange dauert eine Geburt? Ist sie schmerzhaft? Was passiert danach? Und vor allem: Wie kann ich mich selbst darauf vorbereiten? Für Fragen wie diese sind Geburtsvorbereitungskurse da – auch in Schweden. Heute findet der erste Teil meines Kurses statt, es wird um Schmerzlinderung, Stillen und Kindererziehung gehen. Mal sehen, ob in den Kursen hier auch so eifrig gehechelt wird wie in den deutschen.

Eins vorweg: Gehechelt haben wir nicht. Generell waren wir nicht körperlich aktiv. So haben wir beispielsweise auch keine Geburtsstellungen ausprobiert oder Entspannungsübungen gemacht. Bei unserem Kurs liegt der Schwerpunkt auf Wissensvermittlung – ganz gemäß dem Schaubild, dass Karin auflegt:

Wissen > weniger Angst > richtiges Verhalten > weniger Schmerz

Kaum Raum für alternative Methoden

Eines haben die Geburtsvorbereitungskurse hier in Schweden aber landesweit gemeinsam: eine Dauer über 14 Stunden, wie sie in Deutschland von den Krankenkassen übernommen werden, sind eher die Ausnahme. Die Schweden sind zackig unterwegs: meine Vårdcentral vermittelt ihre Inhalte beispielsweise in Vorlesungen – zwei Termine á 1,5 Stunden, anschließende Fragerunde, fertig. Andere sind ganzheitlicher unterwegs, zeigen Atem- und Entspannungsübungen zur Geburtserleichterung und versuchen, das Vertrauen der Frauen in die Fähigkeit ihres eigenen Körpers zu stärken.

Das große Spektrum an zusätzlichen Serviceleistungen wie Yoga, Akupunktur, Homöopathie, Schüssler-Salze oder Aromatherapie, was bei vielen deutschen Hebammen mittlerweile beinahe schon zum Standard gehört, ist allerdings eher unüblich. Das hat damit zu tun, dass die Staatliche Auswertungsstelle für medizinisch-technologische Versorgung so manche alternative Heilmethode kritisch beurteilt. Hebammen dürften nur empfehlen, was wissenschaftlich abgesichert ist. Das heißt allerdings nicht, dass Schwangeren all dies verwehrt bleiben muss. Wer interessiert ist, kümmert sich selbst darum.

Mehr Angebote in der Stadt

Das ist allerdings auf dem Land nicht so einfach. Das Angebot an Gesundheitsdienstleistungen ist in den Städten deutlich vielfältiger als auf dem Land – auch eine Folge der Landflucht, mit denen Schweden zu kämpfen hat. Und so werden in dünn besiedelten Regionen genauso Entbindungsstationen geschlossen wie in Deutschland auch. Im Februar 2017 hat es Sollefteå erwischt, eine kleine Stadt in der nördlichen Provinz Västernorrland. Zwei Hebammen haben darauf reagiert und bieten seitdem Notfall-Kurse an, falls es die Mutter nicht rechtzeitig in das nächste Krankenhaus schaffen sollte und im Auto entbinden muss. „Angst nehmen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, zitierte der schwedische Sender SVT die Hebamme Stina Näslund auf die Frage, was die beiden Frauen motiviert. Kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Das beschreibt die Schweden und ihren Umgang mit dem natürlichen Prozess von Schwangerschaft und Geburt sehr gut.

Schwedische Vokabeln lernen

Wirklich viel Neues erfahre ich daher in meinem Geburtsvorbereitungskurs nicht. Die Theorie des Stillens ist mir bekannt, die Praxis muss ich auf mich zukommen lassen. Der Punkt „Erziehung“ beschränkt sich auf „bitte nicht schütteln“. Aber das Merkblatt über die medizinischen Methoden der Schmerzstillung ist interessant. Einmal lernen wir so noch nützliche Vokabeln kennen, außerdem ist es ein Anreiz, mich nochmal in die Unterschiede zwischen Spinalanästhesie und Periduralanästhesie einzulesen. Man weiß ja nie.

Wie die Väter helfen können

Zudem bereitet der Kurs auf die Zeit danach vor. Wie sich der Vater sinnvoll einbringen kann etwa: den Haushalt übernehmen, kochen, einkaufen und so weiter. In diesem Zusammenhang noch eine kleine Anektode: Zwei Plätze neben uns sitzen F. und seine Frau, die wir aus unserem Sfi-Kurs kennen. Die beiden sind vor zwei, drei Jahren aus Syrien nach Schweden gekommen und erwarten ebenfalls ihr erstes Kind. F. hatte sich in der Schule darüber lustig gemacht, dass Chris oft und gerne kocht und ihn damit aufgezogen – für einen Syrer mit traditionellem Rollenverständnis von Mann und Frau einfach zu komisch und nicht nachvollziehbar. Und so kann ich mir in der Pause die Frage nicht verkneifen, was er denn jetzt auf den Tisch bringen wird. Ich muss kichern – F. nicht.

Für den zweiten Teil des Geburtsvorbereitungskurses, den zur Geburt, müssen wir Anfang Oktober nach Växjö fahren. In Tingsryd findet der nächste erst wieder Ende November statt. Und wisst Ihr wann? Genau an meinem berechneten Geburtstermin!



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