Trädgården

So war das Gartenjahr in Schweden

Wenn man sich abends langsam den Ofen herbeisehnt, der Regen dickflüssig vom Himmel platscht und es vom späten Nachmittag an stockfinster draußen ist, lässt es sich nicht mehr leugnen: hier in Schweden steht der Winter vor der Tür. Im Garten waren wir an den vergangenen Wochenenden fleißig: die Beete sind abgeernet, die Sträucher zurückgeschnitten, die Regenwassertanks geleert. Zeit für einen Rückblick: Ich habe das Gartenjahr als herausfordernd empfunden.

Wo fange ich an? Vielleicht beim Wetter: nass wars. Nach dem Jahrhundertsommer 2018 sagten wir oft: „Jetzt müsste es eigentlich ein Jahr lang regnen.“ Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Den Grundwasserreservoirs hier in Schweden hat das gut getan: das große und das kleine Magazin haben sich einigermaßen wieder erholt. Den Insekten hat das nass-kalte Wetter leider nicht gefallen; sie kamen selten hervor. Meine Gurken musste ich also selbst bestäuben.

Ich bin noch kein Experte in Sachen Gartenbau. Vieles habe ich mir bei meiner Großmutter abgeschaut, deren Wissen und Tatendrang weit über ein gewöhnliches Hobby hinausging. Anderes lese ich mir an. Doch eigene Erfahrungen kann ich erst machen, seit wir in Schweden leben und ein Haus mit Garten unser Eigen nennen. Und so blicke ich nun auf drei Jahre mit eigenem Gemüse zurück und lerne ständig Neues dazu.

Zum Beispiel, wie man mit dem schwedischen Klima umgeht. Es ist rauer als das deutsche. Der Sommer ist kürzer, die Jahreszeiten wechseln schneller. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Frühling und der Herbst hier nur zwei Wochen dauern. Naja, und der Klimawechsel, der uns manchmal auch Trockenheit beschehrt, kommt noch hinzu.

Tomaten, Gurken und Basilikum wachsen im Altan

Die meisten Schweden mit einem Nutzgarten haben ein Gewächshäuschen im Garten stehen. Wir nicht. Ich setze Tomaten und Gurken, die es warm mögen, von Mai an in den Altan. Dort ist optimales Klima: Im Frühjahr sind die kleinen Pflänzchen vor Frost und Zugluft geschützt, im Sommer wird es richtig heiß. Außerdem sieht es hübsch aus! Bis in den Herbst hinein können wir uns beim Kaffeetrinken an dem üppigen Grün erfreuen. Und üppig waren die Pflanzen, denn ich habe diesmal die Blumenkästen fast ausschließlich mit unserem Kompost befüllt. Der besteht zur Hälfte aus Hühnermist und hat uns bis in den Oktober hinein üppige Pflanzen und Früchte beschert. 

Kartoffeln, Zucchini und Karotten müssen ins Beet

Gemüsesorten, die kein Rankgitter erklimmen, müssen auch bei mir in den Garten. Die Zucchini kam auf den Kompost – ein Tipp meiner Schwiegermutter, der sich bewährt hat. Die letzte Frucht, die ich im Oktober noch unter den Blättern entdeckt habe, hat immerhin knapp drei Kilogramm auf die Waage gebracht. Bis dahin war es aber eine Zitterpartie: ein unerwarteter Nachtfrost Ende Mai hat meine Pflanzen beinahe völllig ruiniert. Auch die Kartoffeln hatten Glück. Der Frost hatte nur die überirdischen Teile erwischt, so dass sie zügig wieder ausgetrieben haben. Fürs nächste Jahr habe ich mir von der Urban-Gardening-Community eine mobile Lösung abgeschaut: meine Saatkartoffeln kommen in eine Tonne. Das spart Platz und macht mich unabhängiger vom Wetter. Mit der Sackkarre kann ich sie bei Frostgefahr einfach in die Garage verfrachten. Außerdem werde ich meine Saatkartoffeln diesmal vorkeimen. Zwiebeln habe ich diesmal nicht nur als Saatzwiebeln ausgesetzt, sondern erstmals auch als Samen. Das hat gut funktioniert, allerdings werde ich die kleinen Samen im nächsten Jahr in eine flache Pflanzschale setzen.

Keine Beeren, kein Kohl und fast kein Knoblauch

Meine Herbsthimbeere „Autumn Bliss“, die ihren ersten Winter 2017/2018 sogar im Topf gemeistert und in ihrem ersten Sommer 2018 in unserem Garten direkt tolle Früchten gebildet hat, kam diesmal gar nicht in die Gänge: keine Blätter, keine Blüten, keine Früchte. Immerhin hat sie irgendwann im Spätsommer neue Triebe gebildet. Und meine Schwarze Johannisbeere, die ich noch beherzt zurückgeschnitten hatte, hat fünf Beeren gebildet. So viel waren es allerdings auch bei meinen Nachbarn; es scheint also allgemein kein Beerenjahr gewesen zu sein und nicht etwa an meinen Schnittkünsten gelegen zu haben. Wenigstens einen kleinen Schritt weiter bin ich mit meinem Knoblauch gekommen. Endlich scheine ich einen Platz gefunden zu haben, an dem sich aus den Zehen auch Knollen entwickeln können. Aber reichhaltig war die Ernte nicht. Und der Kohl? Der ist praktisch nicht vorhanden. Den Kaninchen sei dank.

Und die Hecke? Erholt sich!

Im vergangenen Herbst haben wir in eine Hecke investiert. 150 Glanzmispeln „Red Robin“ hat mein Mann an der Grundstücksgrenze eingebuddelt, die parallel zur Straße verläuft. Von den feuerroten Trieben, die es uns so angetan hatten, war allerdings im Frühjahr nicht mehr viel übrig. Rehe haben sie im Winter 2018/2019 als Festschmaus für sich entdeckt. Die diversen Tipps von unseren Nachbarn wie „sprüht sie mit Parfum ein“ oder „hängt ein verschwitzes T-Shirt daneben“ waren leider nicht von Erfolg gekrönt. Immerhin hat sie überlebt und nun fast wieder die Höhe erreicht, mit der wir sie vor einem Jahr gekauft und eingepflanzt haben. Jetzt haben wir sie in ein Netz gehüllt und hoffen, dass wir so den Fraßschaden über den Winter in Grenzen halten.


 

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