Einzug

Zwischen Kisten, Koffern und halbfertigen Artikeln

Die erste Woche in einer neuen Wohnung oder einem neuen Haus hat ihren ganz eigenen Charme. Man baut Möbel auf, fällt über Umzugskisten, isst kalte Ravioli aus der Dose und ist trotzdem sehr, sehr glücklich. Neu ist diesmal, dass wir zusätzlich viel unterwegs sind, um wichtige Wege zu erledigen. Aus- bzw. Einwandern geht mit einer Menge Papierkram einher. Zum Glück sind meine Schwiegereltern hier und halten die Stellung. Und abends, wenn dann endlich Ruhe einkehrt, fahre ich den Laptop hoch und mache mich an die Arbeit.

Ja, ich hätte Urlaub nehmen können. Sofern man als Freiberufler von Urlaub sprechen kann, denn erreichbar ist man ja doch. Wollte ich aber nicht, denn den meisten Kunden habe ich unseren Umzug verheimlicht. Warum? Weil mein Bauchgefühl mir sagt, dass nicht alle davon begeistert sein werden. Das ist ziemlich albern, denn die wenigstens Auftraggeber habe ich je persönlich kennengelernt. Wir telefonieren und mailen, also nichts, was sich nicht auch von Schweden aus erledigen lassen würde. Trotzdem glaube ich, dass sie mich mit dem Wissen „die ist ja jetzt in Schweden“ nach und nach bei der Auftragsvergabe vergessen würden. Also mache ich weiter, als wäre nichts. Abends, wenn alle schlafen und Ruhe einkehrt, setze ich mich an den Küchentisch und arbeite. Ich bearbeite meine Mails, recherchiere, schreibe und gebe Artikel ab. Und in ein paar Wochen werde ich meine Auftraggeber fragen, ob sie einen Unterschied bemerkt haben.

Tagsüber bauen wir Möbel auf und packen Kisten aus. Die Umzugsfirma ist am Montag pünktlich vorgefahren. Beim Ausladen haben alle kräftig mitangepackt, denn die Wolken hingen tief am Himmel. Aber bevor der Regen kam, war alles im Haus.

Zum Überweisen auf die Bank

Parallel sind wir viel unterwegs. Wir müssen wichtige Wege erledigen, denn Aus- bzw. Einwandern geht mit einer Menge Papierkram einher. Wir müssen beispielweise zur Bank, so wie früher. Seit wir stolze Hausbesitzer sind, trudeln Rechnungen bei uns ein. Steuer an die Tingsryds kommun, Müllgebühren an SSAM. Diesmal möchten die Stadtwerke hier den Stromabschlag bezahlt haben. Ein schwedisches Konto haben wir bereits, aber leider noch kein Homebanking. Dafür fehlt uns die Personennummer. Also müssen wir die Überweisung am Schalter anweisen. Wir fahren also nach Olofström, ziehen einen Zettel und warten – kommen aber zügig dran. Langfristig ist das kein Zustand, denn es ist nicht nur umständlich, sondern vor allem teuer: Die Bank nimmt umgerechnet fast 15 Euro an Überweisungsgebühr. Persönlicher Service hat seinen Preis.

Telefon und Internet bestellen

Um Telefon und Internet zu bestellen, müssen wir bis nach Karlshamn. Google war leider fehlinformiert, was die Telia-Filiale in Olofström angeht. Und wieder heißt es Zettel ziehen und warten: Das kleine Geschäft ist voll, nach fast einer Stunde sind wir dran. Telefon und Internet können wir zum Glück ohne Personennummer bestellen. Aber es ist Urlaubszeit. Zwei Wochen kann das Ganze also dauern.

Datenroaming fürs Handy

Bis dahin behelfen wir uns mit einem Datentarif fürs Handy. Internet zu haben ist für zwei Leute im Homeoffice lebenswichtig. Eine SIM-Karte mit Aufladecode bekommt man hier in jedem Supermarkt. Ist sogar recht günstig: Mich kosten bei Telia 6×2 GB rund 30 Euro (sechs Monate lang jeden Monat 2 GB), während Blau für 4,99 Euro für 100 MB haben wollte. Der Nachteil: Wir tauschen die SIM-Karten nach Bedarf und sind daher übergangsweise entweder nur telefonisch (mit der deutschen) oder nur per Email bzw. Skype (mit der schwedischen) zu erreichen. Aber ein Ende ist ja in Sicht. Zuhause merken wir, dass wir den falschen Aufladecode gekauft haben: den für den Computer, nicht den fürs Smartphone. Meinem Mann tauscht die nette Verkäuferin seinen auch gleich anstandslos um. Mir leider nicht, denn ich habe meinen in Olofström gekauft. Ärgerlich. Zum Mails checken reicht mein Volumen gerade noch, aber recherchieren wird damit nichts. Aber ich darf ausnahmsweise ein paar Bytes von meinem Mann abzapfen. Danke, mein Schatz!

Workout beim Rasenmähen

Zur Wochenmitte hin schieben wir eine andere unliebsame Aufgabe dazwischen. Das Wetter ist wechselhaft und die Umzugskisten laufen nicht weg: Die letzte Gelegenheit, Rasen zu mähen. Es hat mittlerweile Hüfthöhe erreicht. Die Vorbesitzer – Dänen, die es als Ferienhaus nutzten – haben das Haus verkauft, weil die Beziehung in die Brüche ging. Man merkt, dass sie längere Zeit nicht mehr hier waren, um ihr Nest schön zu machen. Nun läuft uns die Zeit davon: Das Wetter ist unbeständig. Wenn sich das hohe Gras nach einem weiteren Regen platt legt, wird das Mähen nur noch aufwendiger. Dann müssten wir vorher noch zum Rechen greifen und die Halme wieder aufrichten. Also legen wir lieber los … Stunden später haben wir zumindest die Hälfte geschafft. Jetzt nur noch alles zusammenrechen und wegbringen.

Unser schwedischer Garten.
Zu hoch zum Mähen: da ist viel Handarbeit gefragt. Mein Mann hilft mit der Sense.

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