En man som heter Ove

(Foto: Nordisk Film Sverige)

Vom Horrornachbarn zum beliebten Opa von Nebenan

Bei uns in Schweden sind Kinos nicht gerade um die Ecke. Und selbst wenn – mit einem Zweijährigen ist es nicht so einfach, gemütlich auszugehen. Deshalb freue ich mich, dass En man som heter Ove jetzt mamafreundlich auf Netflix läuft. Ich bin neugierig, denn schon im Sfi-Kurs haben wir nur Gutes über den schwedischen Film gehört. Er hatte 2015 hierzulande sogar Star Wars vom ersten Platz der Kinocharts verdrängt und ‚zig Preise eingeheimst.

Ove ist 59 und die Art Nachbar, vor der wir aus Deutschland geflüchtet sind: Jeden Morgen macht der Witwer seine Kontrollrunde durch die verkehrsberuhigte Eigenheimsiedlung. Er schreibt Falschparker auf, konfisziert falsch abgestellte Fahrräder und begutachtet die Mülltrennung. Als er nach 43 Jahren seinen Job bei der Eisenbahn verliert, gibt er auf. Doch dann zieht Parvaneh mit ihrer Multikulti-Familie in das Haus gegenüber ein. Sie lässt sich von Oves grantiger Art nicht abschrecken und nimmt ihn einfach kurzerhand als Ersatzopa in Beschlag – nur unter Oves Protest, denn eigentlich will er sich nur in Ruhe das Leben nehmen. Das Telefon hat er schon abgemeldet, der Anzug ist gebügelt.

Raue Schale, weicher Kern

En man som heter Ove ist ein Film jenseits des Mainstreams, der in Deutschland wahrscheinlich in den Programmkinos gelaufen ist. Und Ove der Typ Mann, dem wir schon in vielen Spielfilmen begegnet sind: gespielt von Walter Matthau in „Ein seltsames Paar“, von Jack Nicholson in „Besser geht’s nicht“ oder von Alec Guinness in „Der kleine Lord“ – mittleren Alters und von der Außenwelt zurückgezogen, um sich die Wunden zu lecken. Doch diesmal erfahren wir in zahlreichen Rückblenden wenigstens, warum Ove so ist wie er ist. Und freuen uns darauf, dem zuzuschauen, was unweigerlich kommen muss: wie irgendjemand die mühsam errichteten Mauern einreißt und die Lebensfreunde zurückbringt. So ist für Humor und Herzschmerz gleichermaßen gesorgt.

Schwedische Gemächlichkeit

Der Film lässt uns in gewohnter schwedischer Manier an Oves Alltag teilhaben: ruhig und gemächlich, genau wie das Leben hierzulande eben auch verläuft. Nicht einmal Oves Wut-Tiraden, die er über seine Mitmenschen ergehen lässt, bringen Tempo hinein. Bei zwei Stunden Länge rächt sich das allerdings. Irgendwann wurde ich müde, es war eigentlich alles gesagt. In der Summe ist En man som heter Ove trotzdem sehenswert – zuhause im Bett, heimlich mit Kopfhörern über das Smartphone geschaut, wenn das unruhige Kind neben einem endlich in den Schlaf gefunden hat.

Auszeichnungen:

  • Europäischer Filmpreis 2016: Beste Filmkomödie
  • Cabourg Romantic Film Festival 2016: Publikumspreis
  • Edinburgh International Film Festival 2016: 2. Platz als bester Film
  • Guldbagge 2016: Bester Hauptdarsteller, Bestes Make-up, Publikumspreis (vier weitere Nominierungen, u. a. als bester Film)
  • Mill Valley Film Festival 2016: Publikumspreis
  • Seattle International Film Festival 2016: Bester Darsteller (Rolf Lassgård), 3. Platz als bester Film
  • Traverse City Film Festival 2016: Publikumspreis
  • Oscar 2017: Nominierungen in den Kategorien bester fremdsprachiger Film, bestes Make-up und beste Frisuren

 

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