Hausfrieden

Email von unserem Vermieter.
Unsere Fußmatte erhitzt die Gemüter.

Oder: Warum wir nach Schweden auswandern

Kennt Ihr „24“ auf schwäbisch, die You-Tube-Filmchen, die die Mentalität im Ländle auf die Schippe nehmen? „Tag 3“ etwa widmet sich der Mülltrennung: „Irgendwer schmeißt sei Bio-Müll bei uns mit nei. Erst des Altbabier und dann des“, klagt Jack Bauer der Hausverwaltung sein Leid. Das ist nichts gegen das wahre Leben: In Baden-Württemberg sorgte heute eine schmutzige Fußmatte für Ärger.

Aber nicht irgendeine, sondern unsere.

Naja, es ist eine Fußmatte, also eine Schmutzschleuse. Unsere hat ihren Job bislang toll gemacht: Sie hat tapfer Steinchen, Erde, kleinere Blätter und Hundehaare an sich gebunden und nicht in unsere Wohnung gelassen. Und sie hatte bei uns als Besitzer eines wunderbar flauschigen Australian Shepherds, der mehrmals am Tag nach draußen möchte, auch ordentlich was zu tun.

Jetzt wartet sie des lieben-Friedens-halbers auf dem Balkon, bis sie in Schweden wieder voll durchstarten darf.

„Warum ausgerechnet Schweden?“, haben uns viele Menschen gefragt, die von unseren Auswanderungsplänen hörten. Ich glaube, dass wir uns in einem Land, in dem die Menschen das Herz nicht auf der Zunge tragen, sondern die eher als zurückhaltend, unaufdringlich und bescheiden beschrieben werden, sehr wohlfühlen werden. Delia Kübeck schreibt in ihrem Auswanderer-Handbuch: „Man gibt sich (in Schweden) unprätentiös und insgesamt lieber unwissend als – Gott bewahre – besserwissend, ist stets geduldig, übt niemals Kritik und bringt auch Verbesserungsvorschläge nur äußerst diskret an.“ Herrlich.

Das sind die Baden-Württemberger anders drauf. Da glauben wildfremde Menschen, die Hosenlänge oder die Sauberkeit des Autos bewerten zu müssen. Gerne werden hier auch voreilige Schlüsse gezogen, zum Beispiel, was die Erfolgsaussichten vom Wäsche trocknen draußen im Winter angeht. Irgendwann lachte mich ein Fremder aus, als ich im Dezember meine tropfnassen Wollpullis auf dem Balkon aufhing – was ich übrigens mit einem Bodenablauf im Trockenkeller nicht gemacht hätte. Er bog sich vor Lachen, als er auf mich zeigte und mir über die Straße zubrüllte: „Da kenne se abber lange wadden, bis de Wäsch drogge isch.“

Ihm möchte ich gerne an dieser Stelle etwas mit auf den Weg geben:

Lieber fremder Unbekannter, dieses unglaubliche Phänomen nennt sich Sublimation. Der Begriff stammt aus der Chemie und beschreibt den Vorgang, wenn ein Feststoff gasförmig wird, ohne zwischendurch flüssig zu werden. Am Beispiel des Wassers kann man es sich am besten vorstellen. Deshalb gefriert die feuchte Wäsche zwar, wird anschließend aber trotzdem trocken. Außerdem hat sie dann viel weniger Falten. Probieren Sie es auch mal – es ist verrückt, aber es funktioniert! Lassen Sie sich aber bloß nicht von irgendjemandem dabei erwischen.

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