Rückblick

2016 war das erste Jahr, dass wir komplett in Schweden verbracht haben. Selten hat ein Jahr so viel Neues gebracht, wie dieses.

Ich habe meine erste Steuererklärung in Schweden abgegeben. Wir haben unseren Einwanderersprachkurs abgeschlossen. Wir haben das Wohnzimmer renoviert und damit den ersten Raum in unserem Haus nach unseren Vorstellungen gestaltet.

Das Beeindruckenste war aber die Geburt unseren ersten Kindes.

Mittlerweile sind wir in unserem neuen Lebensabschnitt mit seinen Aufgaben und Herausforderungen angekommen. Wir machen uns gut als Milch-Lieferant, Bäuerchen-Unterstützer und Windel-Erneuerer – unser Kleiner wächst und gedeiht und dankt es uns jeden Tag mit großen Entwicklungsschritten. Sein Greifen wird zielgerichteter, Lächeln ist nicht länger ein Zufall, Fixieren führt immer öfter zu Blickkontakt und sein Wortschatz umfasst neben seinem empörten Geschrei auf „Nee-hee-hee“ nun auch „Oioioi“ und „Uah-Iiieh“. Und kräftig ist er geworden! Wie er sich mit seinen kleinen Ärmchen abstützt und mit den Beinen abdrückt, wage ich zu behaupten, dass er in Sachen Krabbeln kein Spätentwickler sein wird.

Langsam entwickeln wir Routine im Alltag. Wir haben uns in den vergangenen fünf Wochen kennengelernt und ein Gespür für die Bedürfnisse des anderen entwickelt. Und so gehen viele Dinge immer besser von der Hand. Baden beispielsweise. Denn E. findet die empfohlenen 37°C einfach zum Heulen. Da kommt er ganz nach seiner Mutti: für mich hat Wasser dann den höchsten Wellnessfaktor, wenn die Haut danach krebsrot ist und angenehm prickelt. Auch für E. darf es lieber etwas wärmer sein. Und solange wir es kontinuirlich über sein Bäuchlein schöpfen, werden wir mit einem wohligen Glucksen belohnt. Sogar dem Windeln wechseln kann E. mittlerweile Positives abgewinnen. Das war anfangs vom Ausziehen der Hose bis zum Wiederanziehen von Geschrei begleitet. Jetzt aber liegt er wach und aufmerksam auf seiner Wickelauflage und schaut neugierig in der Gegend herum.

Stillen ist für uns beide zu Momenten der Nähe und des Rückzugs geworden. Noch immer legt er beim Trinken Ruhe- und Nuckelpausen ein, trotzdem gehen die Mahlzeiten schneller von der Hand. Dazwischen schläft er: Wenn nicht gerade ein Wachstumsschub bevorsteht und er sich schon nach zwei Stunden wieder meldet, haben wir es schon auf sechs Stunden am Stück geschafft. Das lässt sich noch nicht täglich zuverlässig reproduzieren, aber immerhin. Einziger Haken: ausschließlich im Tragetuch. Wie die meisten Babys in seinem Alter braucht E. viel Körperkontakt. Fest an uns gepuckt, sein Köpfchen an unserer Brust und die kleinen Händchen in den Pulli gekrallt, schläft er so innerhalb von wenigen Minuten ein. Versuchen wir ihn hinzulegen, ruinieren wir diesen Moment des Friedens. Wie alle Eltern in dieser Situation mussten wir abwägen: schreien lassen, bis er irgendwann von selbst wieder einschläft, oder ihm seinen Wunsch erfüllen. Wir haben uns für letzteres entschieden. Wir halten nichts von der Interpretation, dass uns E. mit seinem Verhalten manipulieren will und wir ihn dauerhaft verziehen, nur weil wir auf seine Bedürfnisse eingehen.

Damit wir dabei selbst nicht zu kurz kommen und Chris´Arbeit nicht leidet, haben wir feste Schichten eingeführt – zumindest für die Werktage. Jeder von uns hat den Kleinen dann im Tragetuch, wenn wir ohnehin wach sind. Ich bis zum Nachmittag, dann übernimmt Chris, bis er sich irgendwann schlafen legt. Das ist nicht als Dauerlösung gedacht, bis E. irgendwann eingeschult wird. Alleine schlafen ist ein Lernprozess – und wir üben eifrig, dass es klappt. Bis es aber soweit ist, überwiegen für uns die Vorteile: Wir haben noch kein schreiendes Bündel nächtelang durch die Gegend getragen, sondern bekommen beide genügend Schlaf: ich von 15 bis 22/23 Uhr und Chris anschließend bis morgens gegen 7 Uhr.

Wunderbarer Nebeneffekt: Wir können uns selbst nicht schöneres vorstellen. Ihn ständig so dicht an uns zu spüren, ist für uns gerade das Schönste der Welt.

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