Last Updated on 13. Juni 2026 by Inka
Während mein Neunjähriger in wenigen Tagen schon seine dritte Klasse beendet, schaffe ich es gerade noch so, den Rückblick auf sein zweites Schuljahr fertig zu stellen. Aber besser spät als nie! Datumsmäßig reiht sich der Beitrag trotzdem ins Jahr 2025 ein, damit unsere Geschichte hier in Schweden chronologisch für alle nachvollziehbar bleibt.
Auf den Juni hier in Schweden ist wettermäßig meist Verlass: bei strahlendem Sonnenschein zog die feierliche Prozession aus Lehrer*innen und Schüler*innen von der Schule zur Kirche. Unterwegs haben ihnen die alten Leutchen an der Straße zugewunken, und vor der Kirche wurden sie schon von ihren Eltern, Geschwistern und Verwandten erwartet. Der Skolavslutning hat in Schweden einen wichtigen Stellenwert. Wie jedes Jahr hatten die Kinder der Klassen 0 bis 6 Lieder einstudiert; und nach den feierlichen Ansprachen von Rektorin und Gemeindereferentin erhielten die Kinder der sechsten Klasse ihr Abschlusszeugnis. Ihre Zeit in unserer kleinen Dorfschule endet jetzt; die letzten drei Jahre der verpflichtenden Grundschule verbringen sie an einer anderen Schule. Außerdem wurde wieder ein Kind der sechsten Klasse ausgezeichnet, dass sich durch seine ausgleichende und inklusive Art positiv auf das Klassenklima ausgewirkt hat. Darüber stimmen die Klassenkamerad*innen ab.
Nach dem Skolavslutning lädt der Elternverein unseres Ortes stets zu einer kleinen Fikapause ein. Und während die meisten Kinder im Anschluss fröhlich in ihr Gebäckstückchen bissen, flossen bei einem syrischen Mädchen die Tränen: sie zieht mit ihren Eltern um und wird nach den Sommerferien eine andere Schule besuchen. Solche Abschiede haben wir nun schon öfters erlebt: unser Ort war 2015 für viele syrische Familien eine erste Anlaufstelle. Doch nun, zehn Jahre später, sprechen die meisten gut genug Schwedisch und sind so weit integriert, dass auch sie dort hingehen, wo die besseren Jobs warten. Und das ist meist in den Städten der Fall. Diese Familie zieht nun nach Helsingborg. Die Klasse meines Sohnes ist seitdem von 17 auf 12 Kinder geschrumpft.
Zweite Klasse in Schweden:
Wanderpokal für Lesewettbewerb
Keine Zeugnisse, sondern Entwicklungsgespräche
Zu Beginn des Schuljahres lag irgendwann eine Einladung zum Innebandy (auf dt. „Unihockey“) in der Schulmappe meines Sohnes. Eigentlich wollte er nicht, aber dem Augenzwinkern und dem „Na los, schau es dir doch mal an“ seiner Klassenlehrerin konnte er dann doch nicht wiederstehen. Wir Eltern fanden den Sinneswandel gut; ein bisschen Sport und soziale Kontakte in der Freizeit können nie schaden. Außerdem ist die Einkaufsliste beim Innebandy sympathisch kurz und beschränkt sich auf einen Klubba und eine Schutzbrille. Optimal zum Ausprobieren. Und so begannen die Wochenenden, in denen wir durch Südschweden kurvten und zu irgendwelchen Spielen fuhren.

Zweite Klasse in Schweden:
Bereitschaftswoche bezieht die Schulküchen mit ein
In der zweiten Klassen habe ich erstmals mitbekommen, dass auch die Schulen in die Bereitschaftswoche einbezogen werden. Wem der Begriff nichts sagt: Die sogenannte Bereitschaftswoche wurde 2017 vom schwedischen Myndigheten för samhällsskydd och beredskap, MSB, ins Leben gerufen. Seitdem ermutigen die Kommunen zusammen mit den Rettungsdiensten, den Vereinen und anderen Institutionen die Bürgerinnen und Bürger jährlich in KW 39 dazu, sich auf mögliche Krisen vorzubereiten. Das Ziel: Mindestens eine Woche lang soll jeder schwedische Haushalt gut alleine klar kommen können, also mit Lebensmitteln, Medikamenten, Strom und Wasser versorgt sein. Deshalb gibt es eine Woche lang Tipps in den Zeitungen, den Sozialen Netzwerken, im Radio, bei Vortragsveranstaltungen und vielen, vielen Aktionen von richtiger Vorratshaltung bis Erster Hilfe. Für die Schulküchen in der Tingsryds kommun bedeutete dies, dass es an einem Tag mittags zwei Gerichte geben sollte, die ohne Strom und Wasser zubereitet werden konnten. Das Küchenteam unserer Schule hat sich für Nudelsalat entschieden. Sohnemann fand ihn lecker. Das zweite Gericht hat er vergessen 🙂
Zweite Klasse in Schweden:
Lilla Aktuellt, die schwedischen Kinder-Nachrichten
Irgendwann an einem Freitag, als Sohnemann und ich gerade auf dem Heimweg von der Schule zusammen im Auto saßen, sagte er zu mir: „Hast Du von der Schießerei an der schwedischen Schule mitbekommen?“ Ich war perplex. „Nein, habe ich nicht. Wann ist das passiert, und wo? Und woher weißt Du davon?“ Da erzählte er mir erstmals von Lilla Aktuellt. So heißen die schwedischen Kindernachrichten, die täglich von SVT im Barnkanal ausgestrahlt werden. Jeden Freitag gibt es einen Wochenzusammenschnitt speziell für die Schulen, den unsere Klassenlehrerin im SO-Unterricht zeigt. SO steht für Samhällsorienterande ämnen und ist in den schwedischen Grundschulen ein fächerübergreifender Unterricht aus Geographie (geografi), Geschichte (historia), Religion (religionskunskap) und Gemeinschaftskunde (samhällskunskap).
Zweite Klasse in Schweden:
Schwimmunterricht, bis alle bestehen
In der zweiten Klasse ging der Schwimmunterricht weiter. Das Ziel ist wirklich nur, den Kindern das Schwimmen beizubringen; sobald alle Kinder soweit sind, wird der Schwimmunterricht wieder vom normalen Sportunterricht abgelöst. Ich finde es einerseits schade, den Kindern nur das Mindestniveau bezubringen. Andererseits ist es auch verständlich, denn die ganze Klasse jedes Mal mit dem Bus ins 25 Kilometer entfernte Schwimmbad zu bringen und für genügend Aufsicht zu sorgen, ist mit viel Aufwand verbunden. Gleich zu Schuljahresbeginn gab es deshalb einen Einstufungstermin, um den Leistungsstand jedes Kindes neu zu beurteilen. Unser zusätzlicher Sommerschwimmkurs hat sich gelohnt (dazu wird es irgendwann einen separaten Beitrag geben): Sohnemann hat mit nur einem weiteren Kind bestanden. Die geringe Quote ist sein Glück: weil es noch aufwändiger wäre, zwei Kinder separat im Klassenraum zu unterrichten, dürfen beide bis auf weiteres weiterhin am Schwimmunterricht teilnehmen. Unserem Sohnemann hat der Erfolg außerdem die (…) im Entwicklungsgespräch eingebracht.
Auch in Schweden hängt die Leistung der Kinder vom sozialen Status der Eltern ab
Küken im Klassenzimmer
Zweite Klasse in Schweden:
Zweite Klasse in Schweden:
Herbstkonzert in der Kirche, Adventsnachmittag in der Schule
Im Herbst hat die Schule wieder zum Herbstkonzert eingeladen. Eine Stunde lang haben die Kinder von der Vorschule bis zur Klasse drei für ihre Familien und die Gemeindemitglieder in der Kirche gesungen. Das Thema diesmal: Astrid Lindgren. Wer wollte, durfte sich auch als eine Figur aus den Astrid-Lindgren-Büchern verkleiden. Lustig war, dass die Textsicherheit von Lied zu Lied stark variierte; während bei manchen Liedern eher gesummt wurde, stimmten bei Här kommer Pippi Långstrump wirklich alle Kinder mit ein. Ein echter Gänsehautmoment.
„Sjörövarfabbe“ (aus: Pippi Langstrumpf)
„Lille katt (aus: Michel von Lönneberga)“
„Ge mig mera köttbullar (aus: Madiken und Pim)“
„Oppochnervisan (aus: Michel von Lönneberga)“
„Världens bästa karlsson“ (aus: Karlsson auf dem Dach)
„Luffarvisan“ (aus: Rasmus und der Vagabund)
„Pilutta-visan (aus: Madita)“
„Falukorvsvisan“ (aus: Wir Kinder von Bullerbü)
„Mors lilla lathund“ (aus: Pippi Langstrumpf)
„Fi fi fi filura“ (aus: Karlsson auf dem Dach)
„Bara en liten hund“ (aus: Karlsson auf dem Dach)
„Bom sicka bom“ (aus: Michel von Lönneberga)
„Här kommer Pippi Långstrump“ (aus: Pippi Langsstrumpf)
„Vad det är bra att jag har dig“ (aus: Nils Karlsson Däumling)
„De Hjältemodiga“ (aus: Kalle Blomkvist)
In der Vorweihnachtszeit gab es außerdem noch einen Adventsnachmittag. Die Erstklässler hatten in den Wochen zuvor Weihnachtslieder einstudiert und sie irgendwann an einem Donnerstag im Klassenraum ihren Eltern und Geschwistern vorgetragen – natürlich auch verkleidet: als Jultomte, als Schneemann, als Pepparkaksgubbe (dt. Pfefferkuchenmännlein) und als Stjärngosse (dt. Sternsinger).
Zweite Klasse in Schweden:
Schwimmen und Seifenfußball im Sportunterricht
Und so schritt das Schuljahr voran.
Doch irgendwann waren die Arbeitshefte durchgearbeitet und den Lehrerinnen fiel es zunehmend schwerer, die Kinder sinnvoll zu beschäftigen. Zum Glück spielte endlich das Wetter mit und lud zu Draußenaktivitäten ein: einen Ausflug ins Schwimmbad oder Såpfotboll (auch Såpafotboll, auf dt: Seifenfußball). Ja, ihr habt richtig gehört: Seifenfußball wird draußen auf einer Plastikplane gespielt, die mit Seifenwasser besprüht wird. Ob der Ball am Ende im Tor landet, ist bei der Gaudi völlig nebensächlich: das Schlittern und Ausrutschen macht natürlich am meisten Spaß.

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