Tomte

Der schwedische Tomte
Mit roter Zipfelmütze und weißem Rauschebart - so stellte sich die schwedische Zeichnerin Jenny Nyström den Tomte vor (Foto: Jenny Nyström / Kalmar läns museum, BUS 2011).

Vom launischen Besitztumswächter zum spendablen Kinderfreund

Heute ist Nikolaus, zumindest in Deutschland. Denn in Schweden bleiben die Stiefel heute leer. Der Nikolaustag ist den Schweden zwar bekannt, wird aber nicht gefeiert. Was nicht heißt, dass es hier auch ein Männlein mit roter Mütze gibt. Den Tomte, den schwedischen Weihnachtsmann. Und um genau den geht es heute.

In der gesamten nordischen Mythologie kennt man ihn: einen kleinen Wichtel, der auf den Höfen lebt und über die Menschen und Tiere wacht. In Norwegen und Dänemark wird er Nisse genannt, was sich von Nikolaus ableitet. In Schweden heißt er gårdstomte oder hustomte. Er wird größenmäßig mit einem Kind verglichen, soll einen langen Bart haben und eine rote Zipfelmütze tragen. Um den kleinen Kerl bei Laune zu halten, stellt man ihm zu Weihnachten eine große Schale mit Haferbrei hin. Wichtig ist, dass ein Holzlöffel drin steckt, denn der hustomte mag kein Metall. Tut man es nicht, kann der Wichtel sehr böse werden, üble Streiche spielen oder gar den Hof verlassen.

Den Zusammenhang zwischen dem hustomte und Weihnachten haben zwei schwedische Künstler hergestellt. 1881 schriebt der Dichter Viktor Rydberg das Gedicht „Tomten“, in dem der hustomte in einer eiskalten Mittwinternacht aus seinem Versteck auf einem Heuboden herauskommt und nach den schlafenden Menschen und Tieren des Bauernhofes schaut. Es ist zusammen mit den Zeichungen Jenny Nyströms in der Ny Illustrerad Tidning erschienen, die ihm einen weißen Bart und eine rote Mütze verpasste. Dieses Bild von ihm wurde so beliebt, dass er von diesem Moment an überall auf Weihnachtszeitungen und Ansichtskarten zu sehen war. Aus dem unberechenbaren hustomte war ein fürsorglicher jultomte geworden.

Astrid Lindgren greift das Thema auf

1960 hat der Verlag Rabén & Sjögren Rydbergs Gedicht als Buch veröffentlicht. Es war bebildert; die Zeichnungen stammten aus der Feder des bekannten schwedischen Kinderbuch-Illustrators Harald Wiberg. Das Buch wurde ein voller Erfolg und sollte bald auch in anderen Sprachen verlegt werden. Doch es lies sich nicht ohne weiteres übersetzen – und so bekam Astrid Lindgren, die bei Rabén & Sjögren als Lektorin angestellt war, den Auftrag, einen neuen Text zu schreiben. Gesagt, getan: Noch im selben Jahr wurde das Kinderbuch „Tomte Tummetott“ in Deutschland veröffentlicht.

Neugierig geworden? Neugierig geworden?

Tomte als Must-have der schwedischen Weihnachtsdekoration

Heute gehört der Tomte mit dem weißen Rauschebart und der roten Mütze fest zur schwedischen Weihnachtsdekoration dazu. Beliebt sind Figuren, bei denen er sich seine Mütze so tief ins Gesicht gezogen hat, dass nur noch seine runde Knubbelnase hervorschaut. Zu unserem ersten Weihnachten hier in Schweden habe ich auch direkt einen gekauft.


Sicher teilen mit dem eRecht24 Safe Sharing Tool:

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.