Bilkyrkogården

Zeugen längst vergangener Zeiten

Wer die E119 von Ryd nach Lönsboda/ Hässleholm entlang fährt, sieht nach ein paar Kilometern das Schildchen: Bilkyrkogården. Hier, mitten im Wald, liegen die Reste eines etwa 50 Jahre alten Autofriedhofs. Den schauen wir uns heute mit unserem Besuch an.

Der Ort hat Atmosphäre: Die meisten Besucher flüstern, während sie zwischen den alten Autowracks umherstreifen. Dutzende alte Klassiker aus den 40er, 50er und 60er Jahren vom Opel Kadett bis hin zum Ford Anglia stehen dort, längst verrostet und vom Farn überwuchert. Stille Zeugen einer längst vergangenen Zeit.

Auf der Seite der Touristeninformation von Tingsryd erfährt man die Geschichte: das Sumpfland gehörte einst Åke Danielsson (1914-2000), der dort mit Torfstechen seinen Lebensunterhalt verdiente. Von Mitte des 20ten Jahrhunderts an war jedoch mit Autoersatzteilen bald mehr Geld zu machen. Nach ihnen brauchte er sich anfangs nur zu bücken – die schwedischen Wälder waren voll von Wracks, die von ihren Besitzern zum Verrotten abgestellt wurden. Danielsson legte sie trocken, baute die brauchbaren Teile aus und lagerte sie bei sich ein. So wurde er im Laufe der Jahre über die Grenzen Smålands bekannt und zur Anlaufstelle für Modelle und Ersatzteile. Die ausgeschlachteten Karosserien blieben auf seinem Gelände.

In den 90ziger Jahren – Danielsson war gesundheitsbedingt längst in einem Pflegeheim – schaltete sich die kommunale Umweltbehörde ein. Sie setzte eine Frist, bis zu der alle Wracks verschwinden und fachgerecht endverwertet werden sollten. Andernfalls drohte ein ordentliches Bußgeld. Das sorgte für Empörung in der Bevölkerung. Karl-Johan Krantz, damaliger Leiter des Smålandsmuseum in Växjö, schlug vor, das gesamte Gebiet als Kulturreservat zu bewahren. Der Fall wanderte durch die Instanzen bis zur Regierungskanzlei, doch auf jeder Ebene wurde der Räumungsbeschluss bestärkt. Nach weiteren Schlagzeilen und Protesten lud die Kommune Verteter der verschiedenen Interessensgruppen zu einem gemeinsamen Rundgang über den Bilkyrkogården ein und rückte schlieβlich von ihrer Position ab. Die Autowracks durften bleiben.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Autofriedhof Opfer von Vandalismus und blinder Zerstörungswut, aber einen gewissen morbiden Charme verbreitet er noch heute. Der Eintritt ist kostenlos und das Gelände rund um die Uhr frei zugänglich, denn es gilt das Jedermannsrecht (Allemansrätt). Dieses Gewohnheitsecht erlaubt es jedem Besucher, sich frei in der schwedischen Natur zu bewegen. Allerdings gilt die Grundregel „Nicht stören und nichts zerstören“. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Hunde mitzunehmen. Allerdings liegt an vielen Stellen zerbrochenes Glas herum. Sie sollten daher an der Leine bleiben und möglichst auf den Wegen geführt werden.

 

Weitere Infos
Hintergrundinformationen zur Geschichte des Autofriedhofs gibt es auf der Seite der Touristinformation in Tingsryd unter www.visittingsryd.se/de/autofriedhof-kyrkoe-mosse. Dort können auch Führungen in deutscher oder englischer Sprache gebucht werden. Außerdem hat der Autofriedhof eine eigene Homepage unter http://bilkyrkogarden.se.

 

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