Elterngeld

Einfach die Elterngeldtage ankreuzen und jeweils den Wunschsatz auswählen. Fertig.

Oder: Wenig Bürokratie beim schwedischen Elterngeld

Mit dem Klick auf den Abschicken-Button ist es amtlich: vom 14. November an erhalte ich Elterngeld und verabschiede mich damit – um im deutschen Wording zu bleiben – erstmal in den Mutterschutz und dann in die Elternzeit.

Meine Güte, fühlt sich das gut an. Ich freue mich riesig auf die Auszeit. Mittlerweile habe ich den Kopf mit anderen Dingen voll und kann mich nur noch schwer für Artikel, Themenpläne, Rechnungen und Quartalsmeldungen begeistern.

Ich möchte viel lieber meinem Nestbautrieb nachgeben und in der Wohnung herumwuseln. Und genau dafür ist die finanzielle Unterstützung ja auch da. Was mir speziell am schwedischen Elterngeld wirklich gefällt, ist, wie einfach und unbürokratisch das Ganze abgelaufen ist. Kein seitenlanger Antrag, keine dicken Stapel mit Belegen und am allerbesten: kein Festlegen über Monate beziehungsweise Jahre im Voraus, wann ich zuhause bleiben möchte. Fairnesshalber muss ich dazusagen, dass letzteres in erster Linie ein Privileg meiner Selbstständigkeit ist und nicht mit Schweden an sich zusammen hängt. Wäre ich hier in einem Angestelltenverhältnis, würden meine Vorgesetzten natürlich auch über meine Pläne Bescheid wissen wollen.

Mein Weg zum schwedischen Elterngeld:

Erster Schritt: moderskapsintyg

Das sogenannte „Mutterschaftszertifikat“ wird von der Hebamme ausgestellt und macht die Schwangerschaft bei der Försäkringskassan amtlich. Die Bescheinigung enthält die Anzahl der Föten und deren voraussichtlichen Geburtstermin. Ich habe mein intyg bei der ersten Vorsorgeuntersuchung im August erhalten. Nur noch unterschreiben, eintüten und zur Post bringen. Damit geht alles seinen Gang.

Zweiter Schritt: Fragebogen zur beruflichen Situation

Ein paar Wochen später ist ein Schreiben von der Försäkringskassan im Briefkasten. Zunächst schicken sie das falsche blankett mit; gewohnheitsmäßig habe ich das zur Vorlage beim Arbeitgeber erhalten. Eine Mail und eine Woche später ist Svarsblankett för egen företagare im Briefkasten, das auf zwei Seiten Einkünfte, Wochenarbeitszeit etc. abfragt. Weil diese Daten bei Selbstständigen schwanken, werden sie rückwirkend über zwei Jahre betrachtet. Nun gibt es meine Firma hier in Schweden aber noch nicht so lange. Deshalb werde ich am durchschnittlichen Einkommen freier Journalisten geschätzt. Ich staune, als ich ein paar Wochen später die Zahl auf meinem Bescheid sehe. Wenn meine schwedischen Kollegen über’s Jahr wirklich so eine Summe auf dem Konto haben, läuft in Deutschland einiges falsch.

Dritter Schritt: Elterngeldtage auswählen

Dann passiert einige Wochen gar nichts. Ich buche bei der Försäkringskassan  einen Telefontermin in deutscher Sprache, weil ich Probleme befürchte. Stattdessen stellt sich heraus, dass alle nur noch auf mich warten. Mein persönlicher Bereich auf der Homepage der Försäkringskassan ist aktualisiert. Ich kann mich nun einloggen und auf der Kalendervorlage ankreuzen, wann ich welchen Satz ausbezahlt haben möchte und welchem Konto das Geld gutgeschrieben werden soll. Das war’s. Willkommen zuhause.

Das noch als Hintergrund: Föräldrapenning gibt es in zwei verschiedenen Sätzen, einmal auf sogenanntem Krankengeldniveau individuell einkommensbasiert und einmal auf einem universellen Niedrigniveau von 180 Kronen am Tag (Lägstnivå). Außerdem kann ich wählen, ob ich es voll oder nur zu 75-, 50-, 25- und sogar 12,5-Prozent ausbezahlt haben möchte. Das ist für Leute wie mich gedacht, die recht schnell zumindest stundenweise wieder arbeiten möchten. Komplett steige ich nämlich nur für 2,5 Monate aus; vom 1. Februar 2017 an kehre ich halbtags an den Schreibtisch zurück.

Es ist auch erfrischend unkompliziert, wie die Schweden mit Chris und der Tatsache, das für ihn die deutschen Behörden zuständig sind, umgehen. Aha, für uns nichts zu tun, schön. Auf eines haben sie uns aber doppelt und dreifach hingewiesen: dass Chris seine in Deutschland genommenen Tage trotzdem melden soll. Eine formlose Mail genügt, aber auf diese Weise können sie seine Tage aus unserem Pool wegstreichen und wir werden nicht in Versuchung geführt, doppelt abzukassieren. Denn auch hier lassen sich Elterngeldtage von einem Elternteil auf das andere übertragen.

Das Elterngeld in Schweden:

 InkaChris 
Summe240240480
Pflicht-Elterngeldtage auf Krankengeldniveau;
nicht übertragbar
9090
Freiwillige Elterngeldtage auf Krankengeldniveau;
übertragbar
105105
Elterngeldtage auf Niedrigniveau (Lägstnivå);
übertragbar
4545

 

Zur Erinnerung: Ich hatte die deutschen und schwedischen Sozialleistungen rund um Schwangerschaft und Elternzeit einander gegenüber gestellt. Ist schon etwas her, aber immer wieder interessant. Einfach hier klicken.

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