FAQ: Darf ich in Schweden mit Wohnmobil, Wohnwagen und Co. wild campen?

Das Jedermannsrecht erlaubt das wilde Campen in der Natur nur, wenn Du nicht mit einem motorisierten Fahrzeug unterwegs bist. Wohnmobile, Wohnwagen und Co. dürfen befestigte Wege nicht verlassen (Foto: Per Pixel Petersson / imagebank.sweden.se).

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: mit dem Wohnmobil durch Schweden rauschen und immer, wo es schön ist, einfach stehenbleiben. Leider bleibt das ein Traum, denn sich mit einem motorisierten Gefährt mitten in die Natur zu stellen, ist nicht erlaubt. Noch immer ist das leider vielen Urlaubern nicht bewusst und ich befürchte, dass mein Beitrag zum Jedermannsrecht so manche Urlaubspläne zunichte gemacht hat. Deshalb möchte ich Euch wenigstens Alternativen aufzeigen. Also habe ich die Homepage vom Naturvårdsverket, schwedische Urlaubsportale, Vermietungen und andere Infoseiten für Euch durchstöbert. Deren Tipps habe ich Euch hier zusammengestellt.

Vorab noch als Hintergrund: wildes Campen ist in Schweden durch das Jedermannsrecht erlaubt. Trotzdem gibt es Einschränkungen. Was erlaubt ist, kann man sich selbst herleiten, wenn man sich vorstellt, als Backpacker unterwegs zu sein. Zu Fuß, unterwegs von A nach B, das Hab und Gut im Rucksack immer mit dabei. So jemand ist darauf angewiesen, abends irgendwo sein Zelt aufzustellen, sich im See zu erfrischen und am Lagerfeuer zu stärken. Und am nächsten Morgen wird alles zusammengepackt und weitermarschiert.

Nicht im Wald, nicht am Strand

Wer allerdings nicht auf Schusters Rappen unterwegs ist oder radelt, hat ein Problem. Denn für motorisierte Fahrzeuge gilt das Jedersmannsrecht nicht. Egal ob Wohnmobil, Wohnwagen, Auto mit Dachzelt oder Motorrad – sie alle haben in der schwedischen Natur nichts zu suchen. Das gilt für Wälder, Strände, Weiden und Wiesen, für kahle Berge oder Rasenflächen. Dafür sorgt das sogenannte Terrängkörningslagen, auf Deutsch so viel wie „Bodenbefahrungsgesetz“. Demnach dürfen alle motorisierten Fahrzeuge nur auf Oberflächen fahren, die nicht beschädigt werden können: Asphalt, Kies oder ähnliches. Auch das Befahren von Wegen, die für die Forstwirtschaft bestimmt sind, ist nicht gestattet.

Körning i terräng med motordrivet fordon för annat ändamål än jordbruk eller skogsbruk är förbjuden i hela landet 1. på barmark, 2. på snötäckt skogsmark med plant- eller ungskog (…), 3. på snötäckt jordbruksmark (…).§1 Terrängkörningslagen

„Das Befahren von Gelände mit einem motorbetriebenen Fahrzeug zu anderen Zwecken als der Land- oder Forstwirtschaft ist im ganzen Land verboten 1. auf unbedecktem Boden, 2. auf verschneiten Waldflächen mit Pflanzen- oder Jungwald (…), 3. auf schneebedeckten landwirtschaftlichen Flächen (…).“

Missachtung führt nur zu weiteren Verboten

Falls Du nun überlegst, es einfach drauf ankommen zu lassen – ja, es ist verlockend, die Straße zu verlassen, um den perfekten einsamen Stellplatz zu finden. Die schwedische Seite fricamping.se warnt seine Leser, dass das Nichtbeachten dieser Regeln nur zu noch mehr Verbotsschildern führen wird. Denn vermutlich hat der Platz Deiner Begierde einen Besitzer, in den Du Dich hineinversetzen solltest. Für ihn sind wilde Camper das Nervigste überhaupt, denn Du bist wahrscheinlich nicht der Erste, der dort steht. Und auch, wenn du reinlich bist, hinter dir aufräumst und niemals Müll hinterlassen würdest, ist leider nicht jeder ein so gutes Vorbild wie Du.

Und falls Du nun argumentierst: „Das mache ich schon seit Jahren so und da hat nie jemand was gesagt“ – damit begibst Du Dich auf dünnes Eis. Glaube nicht, dass Du alles richtig gemacht hast, nur weil keiner was sagt. Ich glaube, dass ist der Charakterzug der Schweden, der zu den größten Missverständnissen mit Deutschen führt. Die Schweden sind konfliktscheu und halten sich Fremden gegenüber mit ihrer Meinung und Kritik zurück. Die wenigsten werden Dich auf ein Fehlverhalten hinweisen, geschweige denn, Dich mit der Mistgabel von ihrem Grundstück vertreiben. Wahrscheinlich rümpfen sie die Nase und beschweren sich zuhause. Und im nächsten Jahr hängt ein Verbotsschild da.

Was Du bei der Planung wissen solltest

Bevor Du Dich auf die Suche nach einem geeigneten Stellplatz machst, solltest Du noch wissen, dass sich manche Regeln von Län zu Län und Kommun zu Kommun unterscheiden können. Auf Gotland ist beispielsweise das Wildcampen in Wohnwagen und Wohnmobilen an öffentlichen Orten generell nicht erlaubt. Das bedeutet, dass Du immer nach eventuellen Verbotsschildern Ausschau halten musst. Außerdem würde ich Dir empfehlen, Dir vorher zu überlegen, wie Du Deinen Urlaub gestalten möchtest. Wird es ein Roadtrip mit vielen Stationen, an denen Du nur übernachtest und dann weiterfährst? Oder planst Du mehrere Wochen an einem Ort zu verbringen, Grill und Gartenstühle aufzubauen und es Dir richtig gemütlich zu machen? Das Jedermannsrecht erlaubt nämlich nur, einige Tage in der Natur zu zelten, nicht, dies über viele Wochen zu tun. Wenn Du Dich ausbreiten und mehrere Wochen verweilen willst, kommst Du um einen Urlaub auf dem Campingplatz ohnehin nicht herum.

Viele Zusatzservices auf dem Campingplatz

Immerhin hast Du eine große Auswahl: alleine mehr als 400 Campingplätze in Schweden sind im SCR Svensk Camping organisiert, dem schwedischen Branchenverband der Campingplatz- und Ferienhausbetreiber. Die Mitglieder bieten zusammen fast 100 Schwimmbäder, 230 Restaurants, 400 Spielplätze, 350 WLAN-Einrichtungen, 285 Cafés und 100 Hundeduschen an. Auf www.camping.se kannst Du Dir den passenden Campingplatz raussuchen und dabei zum Beispiel nach der Klassifizierung filtern. Seit 1996 bietet SCR Svensk Camping seinen Mitgliedern eine solche Klassifizierung nach dem Sternesystem von 1* bis 5***** an; sie ist freiwillig und wird an den fünf Kriterien Hygiene, Umwelt, Service, Aktivitäten und Events gemessen. Die klassifizierten Campingplätze werden alle drei Jahre von einem unabhängigen Prüfunternehmen besucht; von den Fünf-Sterne-Einrichtungen wird ein konstant hoher Standard erwartet und jedes Jahr gecheckt.

Feeling von unberührter Natur auf dem Vildmarkscamping

Wenn Dir ein klassischer Campingsplatz zu spießig ist, wird Dir vielleicht ein Vildmarkscamping gefallen. Solche Naturcampingplätze verzichten bewusst auf luxuriöse Zusatzservices und sind naturbelassener. Dort wirst Du also wahrscheinlich keinen Tennisplatz und keinen Kosmetiksalon finden, stattdessen liegt das Konzept auf möglichst unberührter Natur. Oft gibt es daher keine festen Stellplätze, sondern sichtgeschütze Nischen zwischen Bäumen und Sträuchern. Oft gibt es keine großen Duschhäuser, sondern nur kleine Trockentoiletten, und keine Küchen, sondern Grillplätze.

Zwischenstop für eine Nacht auf Rast- und Parkplätzen

Zuletzt stehen Dir Rast- und Parkplätze offen. Keine Sorge: das muss nicht die asphaltierte Parkbucht direkt an der Bundesstraße sein oder der Parkplatz mitten in der Innenstadt. Du kannst Dich auch für einen Parkplatz am Badesee oder am Rande des Naturschutzgebietes entscheiden – sofern dort keine Schilder mit „Camping förbjuden“ stehen. Die schwedischen Nationalparks haben sogar oft ausgewiesene Bereiche, in denen zumindest das Zelten ausdrücklich erlaubt ist. Vielleicht kannst Du Dein Wohnmobil außerhalb parken und mit dem Zelt dorthin maschieren.

Auf Rast- und Parkplätzen wirst Du Dich allerdings einschränken und zurücknehmen müssen. Stelle Dir vor, wie die Wikinger ihr Trinkhorn herumreichten. Jeder durfte nur so viel nippen, dass auch der Letzte seinen Anteil bekommen hat. Auch die Natur ist für alle da. Lagom ist die Devise! Das fängt bei der Dauer an: Oft gelten oft zeitliche Beschränkungen. Werktags darfst Du Dich dann maximal 24 Stunden mit Deinem Wohnmobil oder Wohnwagen dort aufhalten. Samstags, sonntags und an Feiertagen kannst Du oft bis zum nächsten Werktag bleiben. Außerdem darfst Du Dich auf öffentlichen Rast- und Parkplätzen nicht ungehemmt ausbreiten. Vermutlich würde kein Urlauber auf die Idee kommen, mitten in der Stockholmer Innenstadt sein Vorzelt aufzubauen. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber leider, dass die Hemmschwelle am Badesee da deutlich kleiner ist. Denkt dort bitte auch an die anderen Gäste: macht Euch nicht mit Vorzelt, Grill, Tisch und Stühlen breit, wenn der Parkplatz ohnehin schon überquillt – das legt auch das schwedische Portal housecar.se seinen Lesern ans Herz.

Mein Tipp: Nützliche Apps Mein Tipp: Nützliche Apps
Es gibt verschiedene Apps, die Dir helfen, Campingplätze, Stellplätze, Parkplätze und Rastplätze zu finden:
* Park4Night – App mit Campingplätzen, Stellplätzen, Parkplätzen und Rastplätzen
* CamperContact – App mit Camping- und Stellplätzen mit und ohne Service
* Ställplatser – App mit Campingplätzen, Stellplätzen und Parkplätzen
* Rast & Camp – App mit Campingplätzen, Stellplätzen und Rastplätzen.


* Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.