FAQ: Bezahle ich im Schwedenurlaub am besten bar oder mit Karte?

Die Schweden bezahlen gerne mit Karte.
Obwohl die Schweden gerne bargeldlos unterwegs sind, aktzeptieren die meisten Geschäfte nach wie vor Bargeld (Foto: Sofia Sabel / imagebank.sweden.se).

Karte oder Krone

Schweden möchte weltweit das erste Land sein, das völlig auf Bargeld verzichtet. Was heißt das für Urlauber? Ob die sich anpassen müssen oder nicht, erkläre ich Euch hier.

Am 24. März 2023 endet in Schweden die Ära des Bargeldes. Das haben Niklas Arvidsson von der Königlich Technischen Hochschule KTH in Stockholm und Jonas Hedman von der Copenhagen Business School vor einigen Jahren berechnet. Von diesem Tag an wird es Scheine und Münzen zwar noch geben, doch werden sie im Alltag keine Rolle mehr spielen. Denn für den Handel – den Ort, an dem sie gegen Waren getauscht werden – wird ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis kippen. Dann werden die Kosten für den Umgang mit Bargeld ein Niveau errreichen, an dem sich seine Annahme einfach nicht mehr lohnt.

Denn Bargeld kostet. „Wir müssen in Sicherheit investieren. Man denke alleine an die Wachunternehmen, die die Scheine und Münzen von den Geschäften zur Bank transportieren“, erklärt Claes Salomonsson. Er ist Pressechef des schwedischen Konzerns Axfood, zu dem auch die Vertriebslinien Willys und Hemköp gehören. Die beiden Supermarktketten erwirtschaften bereits 85 Prozent ihres Umsatzes bargeldlos. Zwar fallen auch für digitale Zahlungstransaktionen Gebühren an, doch Salomonsson ist sich sicher, dass diese künftig sinken werden. „Bislang basieren die meisten bargeldlosen Systeme auf Karten, doch zeichnen sich neue Technologien ab. Dieser Wettbewerb führt langfristig zu niedrigeren Gebühren für den Handel“, so Salomonsson weiter.

Bargeld hat Vor- und Nachteile

Umgekehrt hat Bargeld auch Vorteile. Mit Scheinen und Münzen sind Händler von der technischen Infrastruktur weitgehend unabhängig. Sie funktionieren auch in Notsituationen, zum Beispiel bei einem Stromausfall, IT-Problemen oder im Krieg. Zudem ist digitale Technik störungsanfällig: Erinnert Ihr Euch noch an den Hacker-Angriff vergangenes Jahr? Der war auch hier in Schweden zu spüren und hat einen großen Teil der Coop-Filialen lahmgelegt. Zugegeben, in diesem speziellen Fall kamen die Kunden auch mit Bargeld nicht weiter, weil man auch dafür eine Kasse gebraucht hätte. Die betroffenen Coop-Filialen blieben daher solange geschlossen, bis die IT-Experten eine Bezahllösung fanden, die die Kassensysteme übergangsweise umging. Und erst in diesem Jahr gab es ein Problem mit Swish: es war eine gefälschte Version der App in Umlauf, die eine Zahlungsbestätigung generierte, ohne das wirklich ein Zahlungseingang stattgefunden hatte. Noch immer akzeptieren deshalb zahlreiche Händler keine Bezahlung mit Swish.

Entscheidendes Argument der Befürworter von Bargeld ist aber die des Datenschutzes, da mit Bargeld nicht jeder Schritt und jede Handlung nachvollzogen werden kann. Persönliche Daten können missbraucht werden, wenn sie in falsche Hände geraten.

Manche akzeptieren kein Bares mehr

Trotzdem hat der Coop Konsum in Kalmar als erster schwedischer Lebensmitteleinzelhändler Bargeld komplett aus dem Laden verbannt. Im April 2018 hatte er seine Kunden darüber informiert, dass das Bezahlen künftig nur noch elektronisch möglich sein wird. Selbst Kleinstbeträge für Pfandbons können seitdem nicht mehr bar ausgezahlt werden. Im Markt sah man keine andere Möglichkeit, denn das Bargeld hat auch unliebsame Besucher angezogen. In nur einem Jahr wurde das Geschäft drei Mal Opfer von Raubüberfällen, zwei Mal wurde eingebrochen. „Wir greifen zu diesen drastischen Maßnahmen, um die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern zu erhöhen. Und längerfristig geht es darum, das Überleben des Geschäfts zu sichern“, sagte Jerry Svennerlind, CEO von der Coop-Konsumentenvereinigung Göta. Die Konsumentenvereinigung betreibt neben dem Coop Konsum in Kalmar weitere 44 Coop-Geschäfte sowie drei SB-Warenhäuser im Großraum Småland und der Insel Öland.

Schweden haben kein Recht auf Bargeld

Diese Entscheidung wurde damals in den Medien heftig diskutiert. Haben schwedische Bürger denn nicht ein Recht darauf, mit Bargeld bezahlen zu können? „Nein“, machten zahlreiche Konsumentenportale klar. Von der Reichsbank ausgegebene Banknoten und Münzen seien zwar gesetztliche Zahlungsmittel, doch in Beziehungen zwischen Gewerbetreibenden und Verbrauchern läge Zivilrecht zugrunde. Und hier gälte Vertragsfreiheit. Die Geschäfte können also selbst entscheiden, ob sie Bargeld annehmen oder nicht. Allerdings sollten sie den Kunden darüber informieren. Der Coop Konsum in Kalmar macht dies über einen großen Aushang direkt am Eingang. Vår butik är kontantfri ist dort zu lesen – „Unser Geschäft ist bargeldlos.“ So kann der Kunde wählen, ob er die vorgegebene Zahlungsart akzeptiert oder die Einkaufsstätte wechselt.

Achtet beim Betreten eines Geschäftes auf Schilder wie dieses. Kontantfri bedeutet „Bargeldfrei“ (Foto: Granngården).

Die meisten Geschäfte akzeptieren Beides

Ich kann alle Schwedenurlauber beruhigen: Läden, die konsequent kein Bargeld mehr akzeptieren und dafür sogar in Kauf nehmen, Kunden zu verlieren, sind noch immer Einzelfälle. Dem schwedischen Branchenverband Svensk Handel zufolge bieten 94 Prozent der Händler ihren Kunden beides an: Bar- und Kartenzahlung. Selbst Mitbewerber, die ebenfalls auf reinen digitalen Zahlungsverkehr setzen, gehen größtenteils flexibel damit um. Die Mitarbeiter von Ikea in Valbo bei Gävle beispielsweise machen für Kunden, die nicht anders als bar zahlen können, eben eine Ausnahme. Das Warenhaus hat nach einem halbjährigen Testlauf nämlich ebenfalls im Juli 2019 komplett auf Kartenzahlung umgestellt. „Wir fragen unsere Kunden permanent, wie wir unsere Abläufe verbessern können. Es stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Befragten es nicht für wichtig hielt, mit Bargeld bezahlen zu können. Die meisten Menschen entscheiden sich heute für eine andere Zahlungsweise“, sagte Patric Burstein, verantwortlich für das Kundenerlebnis bei Ikea in Valbo, gegenüber dem schwedischen Fachmagazin Dagens Handel. Auch in der neuen Boutique von Lager 157 in Visby wird kein Kunde weggeschickt. Das Modegeschäft wurde im Frühjahr 2019 bargeldlos eröffnet. Dies soll künftig bei allen neuen Läden der Kette der Fall sein, langfristig sollen auch Bestandsfilialen umgestellt werden.

Am besten auch Kredit- und EC-Karte im Gepäck

Sich nur auf Bargeld zu verlassen, ist jedoch auch riskant. Wenn ich so darüber nachdenke, wo ich ohne Karte hier absolut aufgeschmissen wäre, fallen mir als erstes die Tankstellen ein. Der überwiegend größte Teil in unserem Umkreis ist unbemannt und funktioniert mit Tankautomat. Und je weiter man in den Norden kommt – von Mittelschweden rund um Stockholm vielleicht abgesehen – werden solche Tankstellen eher zur Regel als zur Ausnahme. Und vor allem dort gilt die wichtige Regel: wenn Du an einer Tankstelle vorbeikommst, tanke!

Habt deshalb am besten bei Eurem Schwedenurlaub alles dabei: EC- und Kreditkarte (mit PIN) und – wenn ihr wollt – ein bisschen Bargeld.

In Kürze: Bezahlen in Schweden In Kürze: Bezahlen in Schweden
94 Prozent der schwedischen Händler aktzeptieren beides: Karte und Bargeld. Doch die Akzeptanz von Bargeld schwindet. Habt daher möglichst immer auch Eure EC- und/oder Kreditkarte (mit PIN) im Gepäck. Auf der Homepage https://vitarkontanter.se/ (dt.: Wir nehmen Bargeld) könnt Ihr nach Unternehmen suchen, die Bargeld annehmen.


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