Galläpplen

Naturschauspiel unterm Eichenblatt

Jetzt im Herbst habe ich sie unter Eichenblättern entdeckt: kugelige Gebilde, mal grün, mal rot. Einige sind nur so groß wie eine Johannisbeere, andere eher so wie eine Kirsche. Das habe ich noch nie gesehen. Was das sein mag?

Die Homepage vom NABU e.V. hat meinen Wissensdurst gestillt: diese Kugeln werden Galläpfel oder Gallen genannt, in Schweden heißen sie Galläpplen. Dabei handelt es sich um abnorme Veränderungen von Pflanzenteilen, die auch andere Formen und Farben haben können: spitz, flach, gezackt, gefächert, glatt oder filzig – fast alles ist möglich.

Galläpfel sind das Werk von Bakterien, Fadenwürmern, Milben oder Insektenlarven. Jeder Bauherr verursacht eine andere, individuelle Wucherung und ist meist an eine bestimmte Wirtspflanze gebunden. In unserem Garten war wohl die Gemeine Eichengallwespe (Cynips quercusfolii) am Werk. Nach der Paarung im Frühjahr legt das Weibchen seine Eier einzeln an die Blattunterseite junger Eichenblätter. Die daraus schlüpfenden Larven benetzen kleine Areale an den Blattrippen mit Speichel. Dessen Wirkstoffe veranlassen das Blatt, um die Larven herum Gallen auszubilden. Die dienen als Kinderzimmer und Speisekammer gleichermaßen: In einem Hohlraum im Inneren der kugeligen Behausung kann sich die Nachkommenschaft sicher entwickeln, die fleischige Wand versorgt mit allen nötigen Nährstoffen.

Kinderzimmer und Speisekammer gleichermaßen

Spätestens, wenn die Eiche ihre Blätter abwirft, werden die Galläpfel mit zu Boden fallen. Über den Winter verpuppt sich die Larve im Inneren und entwickelt sich zu einer Gallwespe heran. Das Besondere: sie ist immer weiblich. Spätestens im Februar verlässt sie ihre Behausung, indem sie ein Ausschlupfloch nagt und herauskrabbelt.

An die zweigeschlechtliche Fortpflanzung im vergangenen Jahr schließt sich nun eine parthenogenetische Phase an, denn die Gemeine Eichengallwespe kommt im Laufe des Jahres in zwei Generationen vor. Die weibliche Wespe legt ihre unbefruchteten Eier in die Spitzen von ruhenden (schlafenden) Zweigknospen an der Rinde älterer Stämme. Auch hier entsteht im April/Mai eine Galle, die allerdings deutlich kleiner und mit rötlichen Haaren besetzt ist. Daraus schlüpft von Mai bis Juni die nächste Generation an Eichengallwespen. Die kommen wieder als Weibchen und Männchen vor und sind kleiner sind als die Tiere der Wintergeneration, weshalb die Vertreter der beiden Generationen lange für unterschiedliche Arten gehalten wurden. Damit beginnt der Zyklus von vorn.


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