Högläsningsommar

(Foto: Pixabay / Hermann Kollinger)

Zehn Bücher lesen, eins geschenkt bekommen

Högläsning bedeutet so viel wie „lautes Lesen“ und genau darum geht es bei der jährlichen Sommeraktion unserer Bibliothek: wenn die Kinder zehn Bücher gelesen und auf ihrem Sammelzettel deren Titel und Autoren aufgelistet haben, können sie ihn gegen ein neues Buch eintauschen. Eine schöne Idee, genau das Richtige für meine kleine Leseratte. Nix wie hin und abholen.

Der schönste Moment ist, wenn mein Kleiner den Zettel überreicht. Dann muss ich jedes Mal schmunzeln. Ich glaube, die Bibliothekarinnen freuen sich dann am Allermeisten. Auf jeden Fall strahlen sie übers ganze Gesicht, wenn sie ihm erklären, dass er sich jetzt ein Buch aussuchen darf und uns zu einem separaten Regal führen.

Ehrlich gesagt finde ich es oft schwer, etwas geeignetes zu finden – egal, ob wir nur ein Buch ausleihen oder unser Geschenk aussuchen wollen. Die Aktion ist für Kinder von drei bis sechs Jahren gedacht. Mein Kleiner wird im November fünf, hat aber die Ein-Satz-pro-Seite-Bilderbücher lange hinter sich gelassen. Mit zwei sind wir zu Pettson und Findus übergegangen und mittlerweile bei Fantasy-Geschichten angekommen. Wir mögen beispielweise Trollskogen sehr, denen ich demnächst unbedingt mal einen Beitrag widmen muss.

Manche schwedische Kinderbücher sind seltsam

Auch mit dem Stil mancher schwedischer Kinderbuch-Zeichner kann ich wenig anfangen. Steckt da so ein „Identifikations-Glaube“ dahinter, dass sich Kinder nur von Bildern ansprechen lassen, die so aussehen, als hätten sie sie selbst gemalt? Oder ist es die „Selbstwert-Theorie“ wie in der Werbung, nach der Betrachter einer perfekten Inszenierung anschließend von Minderwertigkeitskomplexen geplagt wird? Ich weiß es nicht. Vielleicht sind manche Zeichner auch einfach völlig unbegabt.

Außerdem sollten keine Künstler Kinderbücher schreiben. Ich denke da an die schwedische Schauspielerin und Musikerin Yonna Nelsen, die 2001 Bajskungen (dt.: der Kackkönig) rausgebracht hat. Die Handlung in Kürze: Aus lauter Geiz geht ein reicher König irgendwann nicht mal mehr auf Klo. Er schwillt unglaublich an, bis die Königin ihm vor Sorge eine Reise durch sein Königreich vorschlägt. Dort kackt er den größten Haufen seines Lebens, von dem er anschließend sogar runtergehoben werden muss. Er schrumpft auf Normalgröße zurück, kehrt in sein Schloss zurück und ist wieder glücklich. Ende.

Wunderschöne Zeichnungen von Insekten

2020 haben wir vom Kindergarten den ersten HögläsningsSammelzettel bekommen. Sohnemann war damals drei Jahre alt. Glückstreffer war damals ein wirklich hübsches Buch über Insekten. Cecilia Ottenby ist Landschaftsarchitektin, die schon immer davon träumte, Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Börja krypleta! ist ihr Debut. Das bedeutet so viel wie: Fang an, Insekten zu entdecken.

Foto: Natur och Kultur

Börja krypleta! unterscheidet sich von anderen Tierbüchern. Weil alles darin gezeichnet ist und die Seiten auf gelblichem, strukturierten Papier gedruckt sind, hat es was Rätselhaftes an sich. Es ist, als ob man eine Schatzkarte betrachten würde – es läd ein, loszuziehen und all die Geheimnisse zu entdecken. Es enthält keine langen Sachtexte über die Biologie und die Fortpflanzung, sondern fokussiert sich auf die vielen anderen Details. Wusstet Ihr, dass die Flügel des Schmetterlings von kleinen Schuppen bedeckt sind, die als Solarzellen fungieren und sich erst erwärmen müssen, bevor der Schmetterling fliegen kann? Dass der Hubschrauber von Insekten inspiriert ist? Oder dass es Libellen so groß wie Vögel gegeben hat? Außerdem bekommen die Leser viele Abenteuer-Tipps: dass man sich in Gelb oder Lila kleiden kann, um Schmetterlinge anzulocken oder eine transparente Schüssel mit Sand und Meerwasser zu füllen, um zu sehen, was sich dort versteckt.

Eine klare Leseempfehlung.

Wenn etwas Unerwartetes passiert

2021, Sohnemann ist jetzt vier Jahre alt und hat mich in die Bibliothek begleitet, war eigentlich gar nichts Geeignetes dabei. Vielleicht hätten wir einfach gehen sollen, aber das hätte sich komisch angefühlt. Also haben wir unsere Enttäuschung versteckt und uns für Anton och Jonatan entschieden. Die Zeichnungen fanden wir recht hübsch und die Geschichte machte beim raschen Durchblättern einen guten Eindruck. Sicher nichts, was Sohnemann stundenlang beschäftigt oder ihn noch jahrelang begleiten wird, aber vielleicht als kurze Gutenachtgeschichte nett.

(Foto: Kabusen förlag)

Eine Fehlentscheidung. Bei Jostein Gaader als Autor hätte ich schon hellhörig werden müssen. Er hat auch Sophies Welt geschrieben, erinnert Ihr Euch? Anton och Jonatan handelt von einem kleinen Jungen und seinem Teddybär. Gemeinsam erleben sie viele spannende Abenteuer, denn Jonatan nimmt Anton überall mit hin. Manchmal fahren sie auf Jonatans rotem Fahrrad herum. Bis eines Tages etwas Schreckliches passiert.

Ich bin froh, dass ich das Buch heimlich gelesen hatte, bevor es zur Gutenachtgeschichte wurde. Auf eine Geschichte, in der ein Kind stirbt, muss man vorbereitet sein. Insbesondere, wenn es nicht beim Namen genannt, sondern durch leere, traurige Bilder angedeutet wird. Auf die Fragen, die dann kommen, muss man vorbereitet sein. Irgendwann werden wir es wohl lesen. Aber bis dahin ruht es im Kinderzimmer im Bücherregal. Ganz oben, versteckt zwischen Fotoalben und der Urkunde vom Bamse-Loppet.


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