Semesterdagar

(Foto: Ulf Lundin / imagebank.sweden.se)

Vier Wochen Urlaub am Stück

Wenn die kleinen Örtchen wie ausgestorben sind, die meisten Geschäfte geschlossen haben und der ICA-Parkplatz plötzlich von Campervans überrollt wird, ist das ein untrügliches Zeichen: Schweden hat Ferien. 

Der Sommerurlaub ist den Schweden heilig. Dann arbeiten alle so wenig wie möglich und verbringen ihre Zeit am liebsten irgendwo draußen im Kreise der Familie. Ich glaube, man muss einen langen, schwedischen Winter miterlebt haben, um die hohe Bedeutung dieser Jahreszeit und die unbändige Freude der Menschen darüber wirklich verstehen zu können.

Schweden im Dornröschenschlaf

Der Sommerurlaub ist den Schweden sogar so heilig, dass sie ihn mit einer eigenen Rechtsgrundlage untermauert haben. Das sogenannte semesterlagen regelt, auf wie viele Urlaubstage die Schweden Anspruch haben und wie viel Urlaubsgeld ausbezahlt wird. So haben Angestellte in Schweden üblicherweise 25 Urlaubstage im Jahr. Davon dürfen sie im Sommer – also von Juni bis August – vier Wochen an einem Stück nehmen. Auch das ist im semesterlagen gesetzlich geregelt.

Weil das natürlich auch hierzulande zu Ausfallzeiten und Vertretungen führt, machen viele Unternehmen einfach komplett zu. Sommarstängt heißt das hier, was so viel wie „des Sommers wegen geschlossen“ bedeutet. Dann haben nicht nur Schulen, Kindergärten und der kleine Handwerksbetrieb dicht, sondern auch Ämter, Firmen und Polizeistationen. In schöner Regelmäßigkeit berichten die schwedischen Zeitungen sogar von Entbindungsstationen in Krankenhäusern, die erst nach einigen Wochen wieder ihren Betrieb aufnehmen. Supermärkte und öffentliche Einrichtungen stellen Studenten und Schüler als Urlaubsvertretungen ein, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Damit es einen Bezugsraum gibt, haben die Schweden das sogenannte semesterår definiert. Es bezeichnet den Zeitraum vom 1. April eines Jahres bis zum 31. März des Folgejahres.

Für mehr reichen die Tage nicht

Ob vier Wochen Sommerurlaub am Stück gut oder schlecht sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Schweden finden es auf jeden Fall wunderbar und fordern ihr Recht auch ein. Viele Einwanderer finden es ebenfalls gut: so lohnt es sich, in die Heimat zu reisen und die Familien zu besuchen.

Allerdings bedeutet dies auch, dass man bei der Gestaltung des eigenen Urlaubs kaum flexibel ist. Wer in einer Firma arbeitet, die schließt, muss mitziehen. Von meinem Arbeitgeber kenne ich beide Seiten. Im einen Jahr wurde die Produktion über den Sommer heruntergefahren, während erst die eine Hälfte der Mitarbeiter, dann die andere im Urlaub war. Im Jahr drauf wurde drei Wochen ganz dicht gemacht. Ich persönlich fand das nur so mittelprächtig: ein langer Sommer ist toll, ja, aber dafür geht praktisch der gesamte Urlaubsanspruch drauf. Wenn man bedenkt, dass immer mal ein einzelner Urlaubstag für einen Termin, ein kaputtes Auto oder sonstige Erledigungen drauf geht, reicht der Rest gerade mal für Weihnachten. Und da wir selbst den Sommer am liebsten hier in Schweden verbringen, ist ein Familienbesuch im Frühling oder Herbst dann schon nicht mehr drin.

Auch als Journalistin kann ich dem Urlaub nur wenig abgewinnen. Derzeit versuche ich, den Marktleiter eines schwedischen Supermarktes für ein Interview zu gewinnen. Die Pressestelle ist interessiert und hilft, so gut sie kann – aber ob jemand erreichbar sein wird, kann sie mir auch nicht sagen.


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