Semlor

Foto: Mattias Södermark

Süßes am fettigen Dienstag

Die Schweden ehren viele Thementage mit eigenem Gebäck. So auch den Faschingsdienstag, an dem es traditionell semlor zu essen gibt. Sechs Millionen Stück werden jedes Jahr an diesem Tag verschlungen.

Ich bin zu spät dran, ich weiß. Momentan sitze ich an einem Artikel über Energydrinks, der demnächst fertig werden soll. Und für eine andere Zeitschrift schreibe ich über Supermärkte, die weitgehend ohne Personal auskommen. Da spielt mein Blog im täglichen Turbel zwischen Familie und Beruf mal wieder nur die zweite Geige. Aber während ich zur fikapaus in meine semla beiße und mir danach die Sahne von der Nasenspitze schlecke, finde ich, dass die zwei Tage Verspätung eigentlich nicht so tragisch sind.

Vorgestern war Dienstag. Faschingsdienstag, um genau zu sein. Während in Deutschland an diesem Tag das närrische Treiben seinen letzten Höhepunkt für dieses Jahr erreicht hat, hätte ich davon hier in Schweden mal wieder nicht viel mitbekommen. Wäre da nicht der Zettel gewesen, der ein paar Tage zuvor im ICA an der Kasse auslag. „Bestelle Deine semlor vor“, war dort zu lesen. Geniale Idee, wie ich fand. Und das habe ich dann auch gleich getan.

Was den Deutschen die Kreppel, sind den Schweden die Semlor

Semlor und der Faschingsdienstag – das ist wie Silvester und Raclette. Wie Lucia und Lussekatter. Wie Kreppel und Fasching. Es gehört einfach dazu. Mit dem großen Unterschied allerdings, dass ich die in Fett ausgebackenen Kreppel nicht wirklich mochte. Semlor sind da schon eher mein Geschmack.

Semlor erinnern ein wenig an Windbeutel. Der Teig hat die Konsistenz von Milchbrötchen, ist leicht süß, mit einer feinen Note nach Kardamom. Sie sind mit Sahne gefüllt und haben üblicherweise Weise einen Kern aus Vanillecreme oder Mandelmasse. Zutaten wie weißes Mehl, Zucker und Sahne standen im bäuerlich geprägten Schweden des 19. Jahrhunderts nicht täglich auf dem Speiseplan, sondern läuteten als letztes üppiges Highlight die Fastenzeit vor Ostern ein. Das hat dem Dienstag seinen Namen eingebracht: fettisdagen, der fettige Dienstag.

Heute ist daraus eine so lieb gewonnene Tradition geworden, dass am fettisdagen fünfzig Prozent aller Schweden eine semla vertilgen. Morgens zusammen im Büro, nachmittags zuhause bei der fikapaus. So wie ich.

Für alle deutschen semlor-Fans, die ihr Gebäck nicht einfach beim ICA vorbestellen können, habe ich hier ein richtig schwedisches Rezept. Es stammt aus dem Buch „Blaubeeren & Schneeflocken“ von Alina Neumeier, die darin viele klassische schwedische Rezepte ins Deutsche übersetzt hat. Mums!

Das Rezept für richtige schwedische semlor (10 Stück)

Foto: Alina Neumeier

ca. 480 g

25 g

100 g

100 g

250 ml

1

1 Prise

1 Prise

Zum Bepinseln

1

Füllung

100 g

ca. 2 EL

Weizenmehl

Hefe

Butter

Zucker

Milch

Ei

Salz

Hirschhornsalz

 

Ei

 

Marzipanmasse

Milch

Zubereitung

Zerbröselt die Hefe in eine Schüssel.

Schmelzt die Butter in einem Topf und wärmt in der Zwischenzeit die Milch, bis sie lauwarm ist. Gebt die Butter und die Milch über die Hefe und rührt, bis sie sich aufgelöst hat.

Gebt das Ei, den Zucker, das Salz, das Hirschhornsalz und den Großteil des Mehls hinzu und verrührt alles zu einem geschmeidigen Teig.

Lasst den Teig zugedeckt 30 Minuten bei Zimmertemperatur gehen.

Heizt den Ofen auf 250 °C vor.

Gebt das restliche Mehl zu dem Teig und verrührt alles. Teilt den Teig in zehn gleiche Teile, formt aus jedem Klops eine Kugel und legt sie auf ein mit Backpapier belegtes Backblech. Backt sie im Ofen ca. 20 Minuten.

Schlagt das Ei auf, verrührt es und bestreicht damit jede Teigkugel. Backt sie anschließend noch etwa 10 Minuten fertig. Abkühlen lassen.

Schneidet von jeder Kugel die obere Kappe ab und höhlt sie vorsichtig mit einem Messer aus.

Gebt das Gebäck in eine Schüssel und verrüht es mit der Marzipanmasse und Milch zu einer Paste. Füllt sie wieder in die Kugeln zurück.

Schlagt die Schlagsahne steif und verteilt sie in einem Spritzbeutel auf der Marzipanmasse. Setzt die Gebäckdeckel wieder oben drauf. Mit Blaubeeren und Puderzucker dekorieren.

Smaklig måltid!


 

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