Botschaft

Die Deutsche Botschaft in Stockholm
Die Deutsche Botschaft in Stockholm (Foto: Wikipedia).

Oder: Unser Kurztrip nach Stockholm

Seit gestern Abend sind wir wieder wohlbehalten in der Rävkulla zurück. Zwei anstrengende, aber erfolgreiche Tage liegen hinter uns. Einen Kinderreisepass haben wir trotzdem nicht dabei.

Aber alles der Reihe nach:

Montag: Växjö.

Vormittags ging’s los.

Im Krankenhaus haben wir ENDLICH das nötige Formular bekommen. Am Ende war es ganz einfach: in den dritten Stock gehen, an der Tür zur Förlossningsstation klingeln, die ID-Kort hinhalten und nach Birth Certificate bzw. kopia av journalblad fragen. Warum nicht gleich so? Die Antwort ist wohl: weil die Schweden so ticken, schließlich wollen sie auch nur ihre Ruhe haben. Eine Mail ignorieren sie gerne mal. Jemanden, der persönlich um Hilfe bittet, nicht. Wir nennen das die Dino-Methode, nach unserem lieben Nachbarn, von dem wir uns diese Strategie abgeschaut haben: hinfahren und die komplette Lebensgeschichte erzählen. Damit hat man in Schweden Erfolg.

Im Fotofachgeschäft haben wir die biometrischen Passbilder von unserem Sohnemann ausgedruckt. Eine bekannte Fotografin war so gut, sie aufzunehmen. Zu Papier bringen wollten wir sie eigentlich selbst. Aber den Versuch haben wir am Sonntag nach zweieinhalb Stunden Rumtüftelei aufgegeben. Unser Drucker hat nicht mitgespielt. Die Qualität reichte einfach nicht, neuer Toner, dpi’s von mehr als 600 und Fotopapier hin oder her. Das Ergebnis war pixelig.

Anschließend sind wir weiter nach Stockholm gefahren.

Die Fahrt lief gut und Sohnemann hat wirklich super mitgespielt. Das Hotel war in Ordnung, die Stadt selbst wieder toll (wir kannten sie schon aus dem Urlaub, wenn auch andere Ecken), aber mein Bedürfnis nach urbanem Flair war nach einer Stunde befriedigt. Jetzt freue ich mich wieder über Stille, frische Luft und Parkplätze, so viel man mag.

Dienstag: Stockholm.

Gestern von 10 bis 11 Uhr waren wir dann zur Botschaft geladen. Das alleine ist eine Geschichte für sich: Dazu muss man wissen, dass Passanträge und sonstige konsularische Dienste wie Namenserklärungen oder Unterschriftsbeglaubigungen unterschiedliche Verfahren sind, für die wir eigene Termine brauchen und für die die Deutsche Botschaft eigene Terminvergabesysteme hat. So ist es problemlos kurzfristig möglich, einen gemeinsamen Ehenamen zu beantragen. Passtermine waren jedoch erst Mitte März frei – zumindest, wenn man gleich drei braucht und man bei 600 km Anfahrt darauf angewiesen ist, dass diese mindestens am gleichen Tag, besser noch direkt hintereinander liegen.

Daher hatten wir die Idee, in Stockholm nur die urkundlichen Termine wahrzunehmen und die Pässe von einem Honorarkonsul ausstellen zu lassen. Da wäre nämlich der nächste in Kalmar, nur anderthalb Autostunden von uns entfernt. Herr J. war damit einverstanden, WENN wir den Segen der Botschaft einholen UND sicherstellen, dass wir von dort alle nötigen Papiere mitbringen. Ein weiteres Telefonat mit Stockholm später hatten wir den Segen und mit nur einer Woche Wartezeit immerhin zwei Termine: einen Passtermin von 10:00-10:15 und einen Urkundentermin von 10:15-11:00 Uhr. Besser als nichts. Wir waren gespannt, was wir in dieser Stunde geschafft bekämen – dürfte spannend, weil knapp werden.

War es auch. Spannend und knapp, meine ich. Aber – großen Respekt und Dank an dieser Stelle an unsere Sachbearbeiterin, die es hinbekommen hat, in dieser einen Stunde ALLE Anträge zu bearbeiten („Frau Stonjek, ich beeile mich. Das geht aber nur, wenn wir jetzt nicht mehr reden und ich weiterarbeiten kann!“ „Ich bin schon weg!“). Und so haben wir …

  1. … unseren gemeinsamen Ehenamen beantragt,
  2. … meinen neuen Reisepass beantragt,
  3. … die Nachbeurkundung der Geburt unseres Sohnes beantragt,
  4. … seine Namenserklärung abgegeben und
  5. … seinen Kinderreisepass beantragt.

Das Beste: damit hat sich sogar unsere Fahrt nach Kalmar erledigt. Für meinen Perso war keine Zeit mehr, aber das ist halb so schlimm. Ihn brauche ich nicht unbedingt, denn in Schweden weise ich mich mit meiner ID-Kort aus.

Ein bisschen muss ich mich an dieser Stelle auch selbst loben: Das war nur möglich, weil wir alle nötigen Formulare und Urkunden beisammen hatten. Was – wie wir in dieser einen Stunde beobachten konnten – kein zweites Mal vorkam. Die zwei Monate Arbeit haben sich also gelohnt.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings:

Leider konnten wir den Kinderreisepass nicht – wie telefonisch mitgeteilt – gleich mitnehmen. Die Deutsche Botschaft verschickt ihn erst, wenn sie vom zuständigen Standesamt in Deutschland grünes Licht erhalten hat, dass wir die Kosten für die Geburtsurkunde beglichen haben. Wir müssen jetzt also den Austausch zwischen den Ämtern abwarten.

Wenigstens ist Chris noch in Deutschland gemeldet, so dass sein Wohnortstandesamt für uns zuständig ist. In unserem Fall befindet sich das in der Nähe seines Heimatortes, wo er groß geworden ist und noch heute seine Eltern wohnen. Es ist eine ländliche Gegend, man kennt sich aus Schule oder Sportverein. Wir hoffen, dass unsere Beziehungen reichen, den offiziellen Dienstweg etwas zu beschleunigen. Wenn vielleicht meine Schwiegereltern … Mal sehen.

Ohne Wohnortstandesamt sähe die Sache anders aus. Dann würde das Standesamt I in Berlin unsere Anträge bearbeiten. Die sind völlig überlastet, weshalb Geburtsurkunden Jahre dauern. Reine Namenserklärungen immer noch mehrere Wochen. Aua, aua, da muss man Zeit mitbringen.

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