Fordonsimport

Ein deutsches Auto wird erstmal gecheckt, bevor es ein schwedisches Nummernschild bekommt (Foto: Besikta AB)

Anmelden eines deutschen Autos in Schweden

41 Prozent der schwedischen Haushalte haben mehr als ein Auto. Auch wir haben unseren Fuhrpark nun ausgeweitet, denn anders lässt sich ein Wohnsitz abseits von Ortschaften und fußläufiger Infrastruktur nur schwer umsetzen. Was man dabei beachten muss, erkläre ich Euch hier.

Schon lange hatten wir überlegt, uns einen Zweitwagen zuzulegen, doch den Gedanken genauso oft wieder verworfen. Brauchen wir wirklich zwei Autos, wenn die einzigen beiden Erwachsenen im Haushalt meistens von zuhause aus arbeiten? Nun, „brauchen“ ist in Schweden so eine Sache. Solange das erste Auto fährt, braucht man kein zweites. Tut es das aber nicht, kann das ein Problem sein. Wenn man außerhalb wohnt. Im Winter. So wie jetzt, so wie bei uns.

Da war es ein wunderbarer Zufall, dass sich meine Mutter von ihrem Golf trennen wollte. Nicht mehr das neueste Modell, aber treu und zuverlässig – genau das Richtige für die täglichen Fahrten in die Vorschule und zum Supermarkt. Und so kam es, dass der kleine Golf auf seine alten Tage nochmal richtig was von der Welt sieht. Vorher braucht er aber für seine Abenteuer in den schwedischen Wäldern ein schwedisches Nummernschild.

Was dafür zu tun ist, habe ich Euch hier aufgelistet. Wenn man ein bisschen Glück mit den Werkstatt-Terminen hat und den Papierkram immer noch am gleichen Tag erledigt, kann die gesamte Ummeldung in drei Wochen über die Bühne gehen. Es kann aber auch zwei Monate dauern. Dann also los:

In wenigen Schritten zum schwedischen Kennzeichen

Schritt 1: Antrag beim Transportstyrelsen
Die zuständige Behörde für alle Angelegenheiten rund um den Führerschein und das An-, Um- oder Abmelden eines Autos ist in Schweden das Transportstyrelsen. Auf deren Homepage lassen sich die nötigen Schritte fürs Ummelden nachlesen, das Stichwort ist Import från ett EU-land. Wer in Schweden ein Auto anmelden möchte, dass schon in Deutschland angemeldet war, muss die sogenannte Ursprungskontrollen durchlaufen. Dabei geht es darum, die Herkunft des Fahrzeugs nachzuweisen: dass man der Besitzer des Autos ist, es vorher korrekt in Deutschland angemeldet war und dass die Daten des Fahrzeugs mit seinen Papieren übereinstimmen. Damit wollen die Schweden verhindern, dass ihnen irgendein gestohlenes Auto untergejubelt wird. Der Antrag für die Ursprungskontrollen lässt sich schriftlich per Post erledigen oder digital übers Onlineportal. Nach wenigen Minuten ist der Antrag fertig: dazu nur die Fahrzeugnummer, das deutsche Nummernschild, den Hersteller und die Farbe eintragen und auf „Einreichen“ klicken.

Übrigens: Diesmal wird meine Personennummer direkt erkannt; seit ich meinen deutschen Führerschein gegen einen schwedischen umgetauscht habe, sind meine Daten im System hinterlegt.

Schritt 2: Dann Bearbeitungsgebühr bezahlen
Nur wenige Sekunden, nachdem ich auf „Einreichen“ geklickt habe, erreicht mich eine Zusammenfassung meiner Meldung per Mail. Ihr kann ich auch meine Ärendenummer entnehmen, meine Sachbearbeitungsnummer, unter der mein Antrag nun bearbeitet wird. Außerdem: eine Info über die weiteren Schritte, denn erstmal muss ich die Bearbeitungsgebühr überweisen. Der Antrag für die Ursprungskontrollen kostet 1.100 Kronen. Sobald der Betrag beim Transportstyrelsen verbucht wurde, wird mein Antrag bearbeitet.
Schritt 3: Nachweise per Post
Ganz ohne Papierkram geht es auch im digitalen Schweden nicht. Als Beweis, dass ich der Besitzer des Autos bin und es in Deutschland angemeldet war, muss ich die entsprechenden Nachweise einreichen. Das heißt: Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief im Original und Kopie des Kaufvertrages gehen per Post an die zentrale Einlesestelle nach Örebro. Das Transportstyrelsen empfiehlt, alle Nachweise als Värdebrev zu verschicken. Wenn man zusätzlich die Bescheinigungen eines gültigen TÜVs und der ASU mitschickt, spart man sich mit etwas Glück eine zusätzliche kontrollbesiktning. Ich hebe sicherheitshalber noch eine Kopie auf, falls meine Nachweise doch in der Post verloren gehen sollten.

Übrigens: Das Transportstyrelsen schickt den Fahrzeugschein und den Fahrzeugbrief nach Deutschland zurück. Auf diese Weise erfährt die zuständige Zulassungsstelle, dass das Auto umgemeldet wurde. Ein Zurückschicken der deutschen Nummernschilder ist nicht nötig. Für meine Mutter gab es in dieser Hinsicht in Deutschland nichts mehr zu tun, allerdings muss sie noch die Versicherung kündigen.

Schritt 4: Termin zur Herkunftskontrolle
Etwa zwei Wochen später ist ein Brief in der Post, der die nächsten Schritte einleitet: Man habe meine Nachweise erhalten, gesichtet und für gut befunden. Nun soll ich einen Termin zur sogenannten Registreringsbesiktning vereinbaren. Zur Durchführung ist nicht jede x-beliebige Werkstatt berechtigt; unter www.swedac.se kann ich mir eine zertifizierte Prüfstelle in der Nähe raussuchen. Ich habe die Wahl zwischen einer Besikta-Filiale in Älmhult und einer Bilprovning-Filiale in Karlshamn. Mich führt das Vorhaben am Ende nach Karlshamn, weil die Terminvergabe dort telefonisch besser klappt als per Email bei den Kollegen in Älmhult.
Schritt 5: Wiegen, messen, nachschauen
Eine Woche später rolle ich mit meinem blauen Golf in Karlshamn auf die Rampe. Die Kopien von Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief brauche ich nicht, aber ich muss mich mit meiner Legitimation ausweisen und meine Ärendenummer angeben. Sie ist von jetzt an der Schlüssel zu den Daten meines Autos. Und genau darum geht es nun: überprüfen, ob diese Daten mit meinem Auto übereinstimmen. Also wird die Fahrgestellnummer gecheckt, der Radstand gemessen, die Reifengröße kontrolliert und das Auto gewogen. Nach einer halben Stunde ist sich der nette Sachverständige sicher, dass alles zusammenpasst. Ich bekomme noch meine künftige registreringsnummer (dt.: Kennzeichen) zugeteilt, die Nummernschilder selbst kommen per Post.
Kosten: 3.200 Kronen.

Übrigens: Das Kennzeichen wird automatisch aus den freien verfügbaren Kennzeichen vergeben. Es gibt keine Möglichkeit, sich ein Wunschkennzeichen auszusuchen.

Schritt 6: Check-up beim TÜV
Dann steht noch ein Check zur Fahrzeugsicherheit an, die sogenannte Kontrollbesiktning. Auf der Homepage des Transportstyrelsen wird dieser Punkt erst aufgelistet, nachdem man die Nummernschilder erhalten hat. Ich habe Glück: in der Prüfstelle ist nicht viel los, man könnte den TÜV gleich miterledigen. Das klingt super, finde ich, spart es mir auf jeden Fall einen neuen Termin und eine zusätzliche Fahrt. Gesagt, getan!
Kosten: 500 Kronen.
Schritt 7: Nummernschilder kommen automatisch
Etwa einer Woche später schaut ein brauner Pappumschlag aus unserem Briefkasten hervor: die Nummernschilder sind da! Das Fahrzeug gilt allerdings derzeit noch als avställt und darf noch nicht am schwedischen Verkehr teilnehmen.

Übrigens: Anders als in Deutschland lässt sich aus dem Kennzeichen nicht herleiten, wo das Auto in Schweden angemeldet ist, weil die Zulassung nicht auf Kommun– oder Län-Ebene passiert. Das Kennzeichen ändert sich auch nicht nach einem Halterwechsel, sondern bleibt dem Fahrzeug über die gesamte Lebensdauer erhalten. Das ist ein großer Vorteil: übers Internet lässt sich so ganz legal ein Großteil seiner Fahrzeughistorie nachverfolgen.

Schritt 8: Fahrzeugpapiere kommen automatisch
Nahezu zeitgleich mit den Nummernschildern erreicht mich ein weiterer Brief vom Transportstyrelsen. Er enthält den Registreringsbevis, der in Schweden aus zwei Teilen besteht:
Teil 1 (blau) ist dem deutschen Fahrzeugschein vergleichbar und soll bei Fahrten ins Ausland bei sich geführt werden.
Teil 2 (gelb) ähnelt dem deutschen Fahrzeugbrief. Er gilt als offizielles Dokument und soll zuhause sicher aufbewahrt werden.
(Foto: Transportstyrelsen)
Schritt 9: Um Versicherung kümmern
Spätestens jetzt ist es Zeit, sich um eine Kraftfahrzeugversicherung zu kümmern. Hier gilt auch in Schweden: wer die Wahl hat, hat die Qual. Da hilft nur: vergleichen, rechnen, kalkulieren. Die vier größten Versicherungen in Schweden waren 2021 Länsförsäkringar, If Skadeförsäkringar, Folksam und Trygg-Hansa, die zusammen knapp 79 Prozent des Marktes gemessen an den gesamten Prämieneinnahmen halten. Dank Personennummer und BankID lässt sich jede Police direkt übers Internet rechtskräftig abschließen. Wer noch verhandeln will, ruft an.
Schritt 10: Påställningen übers Internet
Bis jetzt galt Euer Auto als avställt, also als stillgelegt, und durfte nicht gefahren werden. Nun fehlt nur noch ein letzter Klick, um das Auto final anzumelden. Dazu müsst Ihr nur noch ein Datum auswählen, von dem an ihr am Verkehr teilnehmen wollt. Diese sogenannte Påställningen ist 24-7 und in Echtzeit online über die Homepage des Transportstyrelsen möglich, über die App Mina fordon oder postalisch. Von diesem Zeitpunkt an werden Kfz-Steuer und die Versicherung fällig.
Schritt 11: Avställningen übers Internet
Genauso einfach – nämlich 24-7, mit einem Klick und in Echtzeit – könnt Ihr Euer Auto stilllegen. Und wieder anmelden. Diese unkomplizierte Vorgehensweise macht es möglich, das Auto einfach immer stillzulegen und sich Kfz-Steuer und Versicherung zu sparen, wenn es für einen längeren Zeitraum nicht gebraucht wird: wenn wir mit unserem Erstwagen in Deutschland sind etwa. Manche Ferienhausbesitzer drehen den Spieß sogar um und melden ihr Auto nur für den Schwedenurlaub an. Das ist für Urlauber interessant, die aufgrund der weiten Anreise zB lieber fliegen möchten, aber hier in Schweden dann die Flexibilität eines Autos genießen möchten. Dank App lässt sich quasi vom Flughafen-Terminal aus das Auto startklar machen. Genial!
Mein Schweden-Tipp Mein Schweden-Tipp
Die zuständige Behörde für alle Angelegenheiten rund um das An-, Um- oder Abmelden eines Autos ist in Schweden das Transportstyrelsen. Unter https://www.transportstyrelsen.se/ > Vägtraffik > Fordon > Fordonsimport och ursprungskontroll gibt es alle nötigen Informationen, um ein deutsches Auto nach Schweden einzuführen und anzumelden. Eure nächste Zweigstelle einer zertifizierten Prüfstelle für die Registreringsbesiktning findet Ihr hier.

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