Swish

Eine Frau bezahlt in einem Café mit Swish.
Mit Swish bezahlen die Schweden nicht nur Kleinbeträge untereinander. Auch viele Cafés bieten die Zahlungsweise an (Foto: Getswish AB).

Den Kaffee bargeldlos per Smartphone bezahlen

Nach zig Jahren habe ich mir endlich wieder ein neues Smartphone zugelegt. Ich habe lange darauf hingefiebert, denn ich habe mich für ein Modell mit Dual-Sim entschieden. So kann ich meine deutsche Mobilnummer behalten, auf die ich beruflich angewiesen bin, und mir zusätzlich noch eine schwedische Mobilnummer zulegen. Damit steht auch Swish nichts mehr im Wege.

Ich finde Bargeld einfach nur lästig. Es fängt mit der Suche nach einem Geldautomaten an, der meinen Besuch nicht mit Gebühren bestraft. Dann muss ich mir darüber klar werden, wie viel ich eigentlich holen soll. Wenn ich für den Flohmarkt 50 Euro Bargeld abhebe, hätte ich garantiert 100 Euro gebraucht. Entscheide ich mich für 100 Euro, finde ich bis auf ein paar Kleinigkeiten nichts und habe die nächsten Monate klingelnde Münzen in der Hosentasche. Mein Geldbeutel ist nämlich auf Karten ausgelegt; Bargeld hat dort keinen Platz.

Außerdem habe ich einen besseren Überblick, wenn ich mit Karte bezahle. Das Argument, dann mehr Geld auszugeben, kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß, wie viel ich auf dem Konto habe und was ich mir leisten kann. Außerdem kann ich dank Karte noch Jahrzehnte später meine Transaktionen checken. Auf alten Kontoauszügen lese ich nur: aha, 50 DM abgehoben. Drei Tage später 100 DM. Was ich aber damit gemacht habe, weiß ich beim besten Willen nicht mehr.

Bargeldloses Bezahlen ist Alltag in Schweden

Vielen Schweden geht es so wie mir. Nur jeder fünfte Einkauf wird in Schweden mit Bargeld getätigt. In Deutschland ist es jeder zweite. 2017 waren nach Angaben der schwedischen Notenbank noch 57 Milliarden Kronen Bargeld im Umlauf. Das ist nur noch etwas mehr als die Hälfte als zehn Jahre zuvor.

Swish ist eine App für das Smartphone. Damit zu bezahlen ist kinderleicht.
App öffnen, Betrag eingeben, an Freunde senden: Für viele Schweden ist Swishen ganz normal (Foto: Getswish AB).

Mit Swish kann ich nun auch bargeldlos bezahlen, ohne das mein Gegenüber einen Kartenleser dabei haben muss. Auch die IBAN ist überflüssig, lediglich die Mobilnummer des Empfängers muss ich kennen. Das Ganze dauert nur wenige Sekunden, danach wird der Betrag in Echtzeit auf das verbundene Konto überwiesen.

Ich swishe, du swishst, alle swishen

Diese Einfachheit hat dazu beigetragen, dass sich Swish in Windeseile in ganz Schweden verbreitet hat. Die App wurde 2012 von den sechs schwedischen Großbanken entwickelt und hatte Ende März 2019 knapp 7 Millionen Privatnutzer. Rund 42 Millionen Transaktionen werden jeden Monat damit getätigt. Swish ist so alltäglich, dass sich das daraus abgleitete Verb swisha genauso selbstverständlich im schwedischen Sprachgebrauch etabliert hat wie googlen im Deutschen.

Vor allem Kleinbeträge werden hin- und hergeschoben. Swish ist unter Kollegen beliebt, die sich damit das geliehene Geld für das Mittagessen zurückzahlen. Oder unter Freunden, um die Kosten für Geburtstagsgeschenke aufzuteilen. Auf dem Flohmarkt hängen Anbieter ihre Swish-Nummer an den Stand, in der Kirche wird die Kollekte per App aufgestockt. Ich habe sogar gehört, dass sich bisweilen sogar Obdachlose mit Swish Geld erhoffen. Man muss mit der Zeit gehen.

Swish in Kürze Swish in Kürze
Swish ist eine App für’s Smartphone, mit der sich kleinere Geldbeträge von einem Konto auf’s andere übertragen lassen. Voraussetzung für die Nutzung ist ein schwedisches Konto und eine schwedische Mobilnummer. Swish gibt es für Android (aus dem Google Playstore) und das iPhone (von iTunes). Die App ist kostenlos.

 

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